Collien Fernandes

Wie man nach der Enthüllung von digitaler Gewalt zum Spielball von Medien/Social Media wird

(mit Jörg Sadrozinski)

Erinnert ihr euch noch, was euch durch den Kopf ging, als ihr im März mitbekommen habt, was Collien Fernandes über ihren Mann Christian Ulmen verbreitete, den sympathischen, manchmal leicht trotteligen, oft souveränen Typen, der so leicht von einer Figur in die andere schlüpfen konnte? Der sollte über Jahre Fake-Profile in Fernandes‘ Namen angelegt haben, mit fremden Männern Sex-Chats geführt und ihnen pornografische Fotos und Videos geschickt haben, die den Eindruck erwecken sollten, sie zeigten Fernandes selbst? Und Fernandes sagte, er habe ihr das Ganze gestanden? Und damit begann die zweite Geschichte. Die Story im „Spiegel“ war sauber recherchiert, auch mehrere Anträge der Anwälte Ulmens konnten sie in ihrem Kern nicht erschüttern. Was allerdings nicht verhinderte, dass Fernandes zur Hassfigur wurde für alle möglichen Randfiguren menschlicher Regungen. Im Netz vereinigten sich ganz unterschiedliche gesellschaftliche Lobbyisten gegen Collien Fernandes: Frauenhasser, Verschwörungsfreaks, Deepfake-Liebhaber, PornoKonsumenten, sie alle sehen in ihr die Kämpferin gegen ihre Obsessionen. Befeuert wird die Debatte durch immer wieder neue öffentliche Auseinandersetzungen um den Fall, zuletzt durch Berichte über das Kindermädchen des Paares. 

Jörg Sadrozinski, langjähriger Leiter der Deutschen Journalistenschule, und Dominik Steiniger haben diese Entwicklung über Monate verfolgt und in einer Fallstudie die verschiedenen Mutationen der Geschichte in klassischen und sozialen Medien nachgezeichnet. Ihre Recherchen liefern den Hintergrund für das Gespräch mit Fernandes: über die Mechanismen öffentlicher Gegenangriffe, über die Karriere einer Nachricht und darüber, wie schwer es im Zeitalter von  Digitalisierung und KI geworden ist, Fakten gegen den Lärm zu verteidigen.

 

Vita