Philipp Oehmke: "Sei ein Mann!" (Der Spiegel vom 15.4.2013, jetzt online, 15 Minuten Lesezeit) Bret Easton Ellis hat mal legendäre Romane geschrieben – mit Anfang 20. Jetzt ist er 49 und schreibt Twitter-Meldungen, von denen selbst seine Freunde sagen, sie seien verrückt. Ellis dachte, er habe literarisch alles gesagt. Sein Psychiater sagt, er soll aufhören, zu jammern. "Arbeiten Sie! Und vor allem: Man up!"…
Anja Reich: "Ist das nicht schön, Frau Jensen? Ein Mann, der noch sprechen kann!" (Berliner Zeitung Magazin vom 3.5.2013, 20 Minuten Lesezeit) Über Altersheime hat Anja Reich nie nachgedacht – bis an einem Tag im Herbst ihr Großvater stürzt. Zu Hause kann er nicht mehr wohnen, sagt der Arzt, und die Enkelin begibt sich auf die Suche. Sie findet ein gutes Altersheim, sogar ein Bücherregal gibt es. Dann beginnt, was ihre Mutter, die “Katastrophe” nennt…
Barbara Klingbacher: "Ich Botschafter" (NZZ FOLIO vom Mai 2013, 20 Minuten Lesezeit) "Der neue Eau-de-Lacoste-Damenduft versprüht übrigens ein Gefühl von Sinnlichkeit." Stunden lang hatte Barbara Klingbacher gewartet, bis sie diesen Satz – scheinbar spontan – in die Abendrunde ihrer Freundinnen werfen konnte. Ihre Karriere als verdeckte Produktebotschafterin nimmt damit jähes ein Ende…
Sacha Batthyany und Mathias Ninck: "Die Welt der edlen Geigen" (Das Magazin vom 27.4.2013, 30 Minuten Lesezeit) Wahrheit und Glanz, sagt Dietmar Machold, dazwischen müsse man sich entscheiden. Der große Stradivarihändler betrügt hunderte Menschen um Millionen. Heli Mohos, seine Sekretärin, vergöttert ihn trotzdem – obwohl sie weiß, dass er ein Hochstapler ist. Dann wird er verhaftet und sie nimmt sich das Leben…
Gunda Bartels: "Da war so ein Gespür" (Tagesspiegel vom 27.4.2013, 20 Minuten Lesezeit) Es ist kein poetischer, sondern ein geradezu handgreiflicher Ort. Eine Bühne der Unscheinbaren. Ein Schauraum für Gaffer. Clärchens Ballhaus in Berlin-Mitte wird 100. Zwischendrin mal zur "Tripperhöhle" verkommen, schwoofen und swingen sie dort jetzt wieder – die ergrauten Casanovas und die verblühten Prinzessinnen…
Anja Rützel: "Schnapsidee" (Business Punk vom September 2012, jetzt online, 10 Minuten Lesezeit) Die genialsten Geschäftsideen hat man beim Saufen. Ist doch logisch! Wie wäre es zum Beispiel, wenn man alle Kühlschränke zur Adoption frei gäbe? Kühlschränke machen einsam und dick. Kühlschränke, diese verlogenen Vollärsche! In der Reihe "Schnapsideen" betrinkt sich Anja Rützel mit Unternehmern, dieses Mal in Wien…
Annabelle Seubert: "Nur du, du und du" (sonntaz vom 21.4.2013, 20 Minuten Lesezeit) Ich liebe dich und du liebst mich. Aber ich liebe auch noch dich, dich und dich. Polyamorie nennt sich die Neuerfindung der Liebe und es gibt nur eine Bedingung: Wir sind mehr als zwei. Ist das das Ende der Untreue und der Beginn gnadenloser Ehrlichkeit? Die Geschichte von Daniel und Nina und Caroline und...
W. Büscher, G. Gnauck, S. Kellerhoff, U. Müller: "Ich war nur Koch in Auschwitz" (Welt am Sonntag vom 21.4.2013, 20 Minuten Lesezeit) Waren Sie in Auschwitz? "Ja." Als was? "Als Koch." Haben Sie miterlebt, was in Auschwitz geschah? "Nein." Sie haben davon nichts gesehen? "Gesehen nicht, gehört schon." - Hans Lipschis, 93, war als SS-Mann in Auschwitz. Einer von 50, die noch heute unbehelligt in Deutschland leben...
Roland Schulz: "Zwei gegen π" (SZ-Magazin vom 19.4.2013, 10 Minuten Lesezeit) Sie ist das Supermodel der Mathematik: Die Schönste, die Größte, die Aufregendste von allen. Sie bringt Nerds zum Schwitzen und Professoren zum Stottern. Wer der Zahl Pi auf die Spuren kommen will, begibt sich auf einen Abenteuertrip. Zwei Informatik-Freaks haben es gewagt...
S. Behrisch, F. Canonica und M. Küng: "Das deutsche Betriebsgeheimnis" (Das Magazin vom 13.4.2013, 60 Minuten Lesezeit) Drei Schweizer Reporter reisen in ein solides Land. Ein Land, das verlässlich ist und bescheiden. In ein Land, das sie wegen seiner Tüftler und Ingenieure bewundern. Sie reisen nach, na ja, Deutschland. Eine lange Liebeserklärung an einen spröden Nachbarn, der offenbar gerne bei Manufactum einkauft...
Jan Rübel: "Unter Brüdern" (Berliner Zeitung / Zeitenspiegel vom 23.3.2013, 20 Minuten Lesezeit) Man könnte sagen, dass die vier Jungs aus Neukölln Teil einer ziemlich deutschen Jugendbewegung sind. Korrekt, diszipliniert. Man könnte auch sagen, dass Serkan, Ahmet und Rahim fromme Neofundamentalisten sind: Politik interessiert sie kaum, ihr Islam ist privat – und ihre Heimat Deutschland...
Mitchell Sunderland: "Der traurigste Ort der Welt" (Vice vom 12.4.2013, 10 Minuten Lesezeit) Mitchell Sunderland verbringt einen Abend im "Europa Multiclub", der angeblich "besten Schwulensauna Italiens". In die Medien kam sie, weil der Vatikan seine Geistlichen im gleichen Haus unterbringt. Doch was als eine Art Mutprobe beginnt und ein geiles Abenteuer werden sollte, endet im Unglück...
Fritz Schaap: "Hotel Wahnsinn" (Welt am Sonntag vom 7.4.2013, 25 Minuten Lesezeit) Sie alle sind lebensmüde. Oder irre. Jedenfalls hausen sie im “Hotel Istanbul” in Kilis, nahe der türkisch-syrischen Grenze. Das Hotel ist zur Herberge geworden für Jungs, die nach Syrien wollen. Journalisten oder Helfer nennen sie sich. Dabei wollen sie alle nur mal wissen, wie sich das so anfühlt, Krieg…
Takis Würger: "Mein Freund, der Salafist" (Der Spiegel vom 11.3.2013, 20 Minuten Lesezeit) Dennis Rathkamp hat nichts zu verbergen, auch nicht vor Journalisten. Er ist ja kein Terrorist. Aber in Ägypten, wo Takis Würger ihn besucht, sehen das nicht alle Salafisten so. Du willst nicht das Streichholz sein, das ins Benzinfass fällt, sagen sie zu Würger. Dann ruft sein Chef an: “Du haust sofort ab”…
Josh Androsky: "Zu Tisch mit einem Kriegsverbrecher" (Vice vom 11.4.2013, 15 Minuten Lesezeit) Ein Schönheitswettbewerb in Tschetschenien, ein chronisch betrunkener Reporter, ein pöbelnder Übersetzer und ein ganz besonderes Abendessen: Zu Gast bei Tschetscheniens Präsident Ramzan Kadyrovs, einem der größten Kriegsverbrecher weltweit, mit beunruhigendem Sinn für Komik…
Alexander Smoltczyk: "Maskenmänner" (Der Spiegel vom 4.3.2013, 15 Minuten Lesezeit) Guinea-Bissau ist ein Narco-Staat. Ein Land, in dem Drogenkartelle von der Regierung geschützt werden. Die Macht, das ist das Kokain. Das Recht, das ist João Biague, ein Polizist ohne Benzin, dem selbst die 115 Euro fehlen, um eine Drogen-Razzia durchzuführen. Da springt der Reporter kurzerhand selbst ein…
Fritz Schaap: "Foltern für Geld" (Die Zeit vom 21.3.2013, 15 Minuten Lesezeit) Seit sechs Monaten sitzt Flüchtling Kidane in einem dreckigen Gefängnis in Ägypten. Doch er sagt: „Es ist gut hier“. Denn er hat die Hölle überlebt, wurde von Beduinenstämmen entführt, gefoltert und erst gegen Lösegeld wieder freigelassen. Seit dem Sturz Mubaraks blüht der Menschenhandel im Sinai…
Oliver Geyer: "Sieht doch gar nicht so schlecht aus" (Dummy Nr. 38, 15 Minuten Lesezeit) Folter? Junta? Blutbad? Alles eine Frage der Perspektive! Burson Marsteller ist die Agentur für Krisen-PR. Zu ihr kommen Regierungen und Unternehmen, wenn etwas gewaltig schief lief – und der Übergang zur Kriminalität fliessend war. Oliver Geyer besucht die “Perception Manager” in ihrem Berliner Glashaus…
Stefan Willeke: "Verdammt, wo bin ich?" (Der Spiegel vom 25.2.2013, 20 Minuten Lesezeit) Peter Neururer will nicht leise verschwinden, er will einen Job. Seit dreieinhalb Jahren ist er arbeitslos, für einen Fußballtrainer eine Unendlichkeit. Also lässt er nicht von seinem Handy. Ruft jemand mit spanischer Vorwahl an, quält ihn gleich die Frage: Real Madrid oder wieder nur der Robinson-Club Mallorca?
Saskia Jungnikl: "Papa hat sich erschossen" (Standard vom 22.3.2013, 15 Minuten Lesezeit) Eigentlich vermeiden es Journalisten, über Selbstmorde zu schreiben, aus Angst vor Nachahmern. Aber was, wenn sich der eigene Vater umbringt? Redakteurin Saskia Jungnikl schreibt: "Ich fühle mich wie in einem Film, alles wartet auf die Pointe." Aber sie kommt nicht. Stattdessen nur eine Frage: Wieso ist er tot?
Maris Hubschmid: "Ist doch wahr" (Tagesspiegel vom 24.3.2013, 10 Minuten Lesezeit) Schon als sie sich kennenlernen, beginnt alles mit einer Lüge. Aber das entdeckt Silke erst später, da sind sie schon verheiratet. Nichts von dem, was Frank ihr erzählt hat, ist wahr: sein Beruf, seine Herkunft, seine Familiengeschichte. Aber Frank kann nicht anders. Er ist Pseudologe und lügt aus Zwang. Oder?
Diana Laarz: "Das Attentat" (Die Zeit vom 14.3.2013, 20 Minuten Lesezeit) Sergej Filin ist der Chef des Bolschoi in Moskau, des berühmtesten Balletttheaters der Welt. Im Januar schüttete ein Mann ihm Säure ins Gesicht. Hinter dem Anschlag soll einer seiner Tänzer stecken. Es geht um Macht und die großen Rollen. Wie ein Tempel der Schönheit zum Hort der Intrigen wurde...
Ralf Bauerdick: "Die Rückkehr der Blutrache" (Playboy/Focus vom 11.3.2013, 20 Minuten Lesezeit) Nur Blut kann die Toten sühnen und die eigene Familienehre retten. In Albanien gibt es immer noch Männer, die so denken. Bisher galten Frauen und Kinder als Tabu. Seitdem aber letztes Jahr ein 17-jähriges Mädchen erschossen wurde, eskaliert die Gewalt. Wie eine uralte mörderische Tradition neu entfachte...
Philipp Schwenke: "Nackt im Wind" (SZ-Magazin vom 15.3.2013, 10 Minuten Lesezeit) Eine stinknormale Kreuzfahrt, sieben Tage Karibik, so scheint es auf den ersten Blick. Doch, Moment: Hier sind ja alle nackt. Willkommen zur größten Nudistenfahrt aller Zeiten! Reporter Phillip Schwenke fährt mit und fragt sich: Wird das ein braves FKK-Fest oder ein Spring-Break für Erwachsene?
Gabriela Herpell: "Sie wollten uns zerstören..." (SZ-Magazin vom 8.3.2013, 25 Minuten Lesezeit) Sie haben geschwiegen, weil sie sich schämten. Tausende Frauen wurden im Bosnien-Krieg vergewaltigt. Die eigenen Familien verachten sie dafür. Amra sagt: "Bei jedem Streit wirft mein Mann mir vor, dass ich mich habe vergewaltigen lassen". Jetzt fangen die ersten Frauen an, zu reden...
M. Al-Mer und L. Vogelsang: Sie nannten sie Titten-Gitti (Tagesspiegel vom 9.3.2013, 20 Minuten) Sie war Mannequin und Honeckers erstes It-Girl, eine Berühmtheit der Nacht im Prenzlauer Berg der 80er-Jahre. Alle nannten sie "Titten-Gitti", aber keiner kannte sie richtig. Legenden ranken sich um die Frau, die eigentlich Brigitte Klingmann hieß, den Glamour nach Ost-Berlin brachte – und daran zerbrach..
Rudolf Novotny: Normaler Sex, keiner zufrieden (Berliner Zeitung vom 15.2.2013, 10 Minuten Lesezeit) Nichts ist so schön wie der Irrsinn der Liebe. Aber manchmal muss man ganz nüchtern darüber reden. So wie auf dem "Tage der Liebe"-Kongress. Therapeut Christian Thiel empfiehlt Paaren dort, sich sieben Mal am Tag sieben Sekunden zu umarmen. Und er sagt: Der größte Feind der Liebe ist die Romantik...
Jan Christoph Wiechmann: Ein Leben in Kabul (stern, 15. August 2012, 15 Minuten Lesezeit) Farhuddin hatte vier Brüder, als der Krieg nach Kabul kam, vor 33 Jahren. Die drei ältesten starben, Farhuddin verlor ein Bein. Der jüngste würde am liebsten fliehen. Doch Farhuddin, der Schneider, möchte bleiben. Etwas anderes als den Krieg kennt er nicht – und wird er wohl auch nicht kennen lernen...
Annett Heide: Das Berliner Hasir-Imperium (Berliner Zeitung, 7. März 2013, 10 Minuten Lesezeit) Mehmet Aygün gehören acht Restaurants und sieben Hotels, in Berlin und in der Türkei. Bald sollen es sogar 2000 sein. Ach so, und den Döner hat er auch erfunden, behauptet er. Dennoch will niemand über diesen Unternehmer reden und er selbst schweigt sowieso, trotz angeblich 80 Interview-Anfragen pro Tag...
Max Küng: Liebling, ich hab das Auto geschrumpft (Das Magazin, 2. März 2013, 10 Minuten Lesezeit) Max Küng liebt Autos, schon immer. Und vor allem liebt er seinen Audi S6. Als der aber für viel Geld repariert werden müsste, beschließt der Familienrat kurzen Prozess: Verschrotten das Teil. Autos sind doch sowieso von gestern, zu dreckig, zu durstig. An der Schrottpresse wird's dann doch noch sentimental
Jonathan Stock: Der Rest vom Paradies (Spiegel vom 18.1.2013, 10 Minuten Lesezeit) Ein Staudamm, der drittgrößte der Welt. Mitten im Urwald. In Brasilien entsteht ein gigantisches Bauwerk. Doch während sich Holzhacker Giliard über den neuen Fernseher freut, sieht Bischof Kräutler das letzte Paradies bedroht. "Moderne Glasperlen", schimpft er den Fernseher und rennt gegen den Damm an...
Miklós Gimes: Mit Schach nach oben (Das Magazin vom 23.2.2013, 10 Minuten Lesezeit) Ein Spiel, ein Spiel für Könige. Von wegen. Dreieinhalb Millionen Menschen leben in Armenien, die meisten davon sind arm. Trotzdem ist Schach Volkssport, in der Schule sogar Pflichtfach. Das Spiel soll das Land aus der Armut führen, die Kinder kreativer machen. Aber besser als Fußball oder Tischtennis ist nicht...
Philipp Maußhardt: Lieber in den Knast (stern + NZZ am Sonntag vom 3.2.2013, 5 Minuten)
Ein Gefängnis, so luxuriös wie ein Hotel. Auf einem Hügel in der Schweiz. Reporter Philipp Maußhardt sitzt hier zwei Tage ab, weil er 16 km/h zu schnell fuhr. Eine Strafe ist es nicht: Die Zellen haben Flachbildfernseher, ihre Türen sind offen, das Essen ist schmackhaft. Selbst Gras wird angeboten…
Holger Gertz: Kalte Sonne (Süddeutschen Zeitung vom 18.2.2012, 15 Minuten Lesezeit). Heino hat jetzt endlich den Erfolg, der ihm zusteht. Meint er. Er steht auf Platz 1, mit Songs von Rammstein und den Ärzten. Aber macht ihn das cool? Über einen alten Mann, der ständig Heldengeschichten über Mick Jagger und Julio Iglesias erzählt, deren Held aber immer nur er selbst ist...
Kathrin Spoerr: Das Wunschkind (Welt am Sonntag vom 17.2.2012 , 20 Minuten Lesezeit). Gabriela Schmidt wünscht sich ein Baby, seit Jahren schon. Manchmal macht es sie wütend, dass alle – selbst Blinde! – schwanger werden können. Nur sie nicht. Auch nicht nach zig Therapien. Aber einmal will sie es noch versuchen. Es könnte der schönste Tag ihres Lebens werden. Oder der schrecklichste
Oskar Piegsa: Der zärtlichste Porno der Welt (Zeit Campus vom 11.12.2012, 15 Minuten Lesezeit). Maike Brochhaus meint, dass es auch "gute" Pornos geben sollte. Also dreht sie ihren eigenen, mit Studenten. In einer Hipster-Kulisse soll es korrekt zur Sache gehen. Passieren tut also: Nichts. "Die sind alle zu schlau für Porno!", sagt Maike irgendwann. Aber nach neun Stunden geht dann doch noch was...
Ralf Hoppe: Gestatten, Scheich Volker (Spiegel, 20 Minuten Lesezeit) Volker Eckel war Hilfsarbeiter und behauptete, er sei der König von Arabien, mit 700 Milliarden Dollar auf dem Konto. Reiche Geschäftsleute aus der Schweiz glaubten ihm. Dabei spricht er nur ein Wort Arabisch: "Inschallah". Wie die Märchen eines Hochstaplers gestandenen Leuten den Verstand raubten...
Christian Schmidt: Untergang einer Katastrophe (Das Magazin, 25 Minuten Lesezeit) An der Küste Galiciens zerschellt ein Tanker. Zwei Journalisten beschließen, die Umweltkatastrophe über Jahre zu dokumentieren. Sie wittern einen Skandal. Aber je länger sie recherchieren, desto klarer wird: Es gibt keine Langzeitschäden. Wie zwei Ökokastrierte ihre Vorurteile begraben...
Alexander Neumann-Delbarre: Der Mann, der den fauligen Atem des Grizzlys roch (Playboy / focus.de, 25 Minuten Lesezeit) Sepp Herrmann ist einer der letzten großen Verrückten dieser Welt. Er lebt allein in einer Holzhütte in Alaska, 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Vor einem Verkäufer im Supermarkt hat er mehr Angst als vor einem Grizzly in der Wildnis. Wie ein Abenteurer einfach nur in Ruhe gelassen werden will…
Carolin Pirich: Auf beiden Saiten (Zeit, 25 min Lesezeit). Wenn ein Klassik-Wunderkind ein Popstar wird, ist das ein Aufstieg oder ein Abstieg? David Garrett galt als Jahrhundertalent, heute inszeniert er sich als Geigenrebell und tritt bei Florian Silbereisen auf. "Ich bin kein Produkt", sagt er und will doch nur geliebt werden – nur nicht von den Falschen...
Dialika Neufeld: Ein Mensch, ein Wunder (Spiegel, 20 min Lesezeit). Wenn eine Frau ihr Gesicht verliert, verliert sie dann auch ihre Identität? Seitdem ein Mann einen Molotow-Cocktail auf sie warf, ist Raghad al-Shammari ein Wesen ohne Ohren, Augen, Nase, Mund. In Berlin gaben Ärzte ihr ein neues Gesicht. Doch sich selbst im Spiegel anzusehen, traut sie sich nicht...
Florian Leu: Der rastende Reporter (NZZ Folio, 10 min Lesezeit) Wenn ein Journalist sich eine Reise bezahlen lässt, ist das dann Journalismus oder nur noch Werbung? Florian Leu reist mit einer Gruppe Reisejournalisten nach Ägypten und verbringt eine Woche auf einem Luxusschiff. So viel gegessen und so wenig gearbeitet hat er noch nie…
Fiona Ehlers: "Das Wunder von Wonchi", Spiegel (15 Minuten Lesezeit). --- Was passiert, wenn man Kindern, die nie zuvor in ihrem Leben Buchstaben gesehen haben, ein Tablet in die Hand drückt? Der Forscher Matt Keller ist in ein abgelegenes Lehmhütten-Dorf nach Äthopien gereist und hat es ausprobiert. Wie Kinder von ganz alleine lesen und schreiben lernen…
Marco Maurer: "Ich Arbeiterkind", Die Zeit (25 Minuten Lesezeit). --- Sein Lehrer sagte: “Du schaffst es nicht” und schickte ihn auf die Hauptschule. Der Mann vom Arbeitsamt sagte: “Fang nicht an, zu träumen.” Dabei wollte er nur Fußballspiele kommentieren. Aber wenn die Mutter Friseurin ist und der Vater Kaminkehrer, ist das schwierig. Wie Marco Maurer trotzdem aufstieg…
Carole Koch: "Im Skizirkus", NZZ am Sonntag, (10 Minuten Lesezeit) --- Es gibt Leute, die fahren Ski. Und es gibt Leute, die fahren nach Ischgl. In das Ibiza der Berge. Nirgendwo kann man so geil und so billig feiern, sagen die Touristen. Wir bauen eine Treppe den Berg hinauf, so groß wie die Chinesische Mauer, sagt Günther Aloys. Wie ein Dorf in Österreich dem Wahnsinn verfällt…
Das Vorbild stammt, wie so oft, aus den USA - dort empfiehlt longreads seit mehreren Jahren erfolgreich "The best long-form stories on the web". Die These: Dank großer Handys, handlichen Tablets und allerhöchst praktischen Anwendungen wie Pocket beginne die große Zeit des Lesens im Netz.
In Deutschland haben sich gleich zwei junge Teams aus Berlin angeschickt, longreads zu beerben: reportagen.fm (Foto) und liesmich.me. Beide Teams scannen im Lauf der Woche die großen Zeitungen und Magazine, machen daraus ihre "Wochenauswahl" und verlinken diese drei Geschichten am Freitagmittag auf ihren Websites. Hier ein Bericht über die beiden Projekte.
In dieser Woche (Ende Januar) etwa empfiehlt liesmich eine Reportage aus der FAZ über deutsche Auswanderer in Angola, ein Porträt des CSU-Politikers Erwin Huber aus dem SZ-Magazin und, erschienen auf sueddeutsche.de, den Bericht einer Tochter über ihre demente Mutter.
Ganz andere Schwerpunkte setzt reportagen.fm (mit dem das Reporter-Forum zusammen arbeitet): Eine Reportage aus dem Schweizer "Magazin" über eine Kindsmörderin, eine Geschichte aus dem "Spiegel" über den Pornokönig Fabian Thylmann, und schließlich, aus dem Tagesspiegel, ein Bericht über einen Dreh mit Bruce Willis: “Dieser Typ war zur unglücklichsten, verbittertsten und gemeinsten Lusche verkümmert, die ich jemals in meinem Arbeitsleben getroffen hatte.”
Die Macher von reportagen.fm, von links: Jonas Breng, Martin Fischer, Björn Stephan (Foto: Stefanie Otzipka)
Bewunderswert schon jetzt: Die Beharrlichkeit, mit der beide Teams ihren Lesestoff stemmen und ihr jeweiliges Projekt verfolgen. Wir vom Reporter-Forum haben seit Jahren von einem deutschen longreads geträumt und geredet - und es dann leider nie auf die Schiene bekommen.
Wie schön, dass es andere geschafft haben!
Ariel Hauptmeier
Die besten Reportagen aus dem Netz: Jeden Freitag verlinkt reportagen.fm zu drei besonders lesenswerten Geschichten. Die Redaktion (v. l.): Jonas Breng, Martin Fischer, Björn Stephan (Foto: Stefanie Otzipk). Wie die drei arbeiten? Steht am Ende dieser Seite.