- Wodurch unterscheidet sich der Reporterpreis von anderen Journalistenpreisen?
Sinn des Reporterpreises ist die Förderung von Reportern bei Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien. Der Preis soll Anreiz für junge und erfahrene Reporter sein, Geschichten zu entdecken, die noch keiner erzählt hat, und sie anspornen, diese so zu erzählen, wie sie noch keiner erzählt hat. Im Mittelpunkt des Reporterpreises stehen der Reporter und sein Text. Die Jurierung ist deshalb so organisiert, dass sie eine intensive Diskussion über die Texte anregt und eine größtmögliche Transparenz und Öffentlichkeit anstrebt.
- Der Reporterpreis wird in acht Kategorien vergeben. Wie unterscheiden sie sich voneinander?
Bei der ersten Preisverleihung haben wir den Preis in lediglich vier Kategorien vergeben. Drei davon haben sich bewährt und deshalb haben wir sie beibehaten: Die Kategorie „Reportage“ zielt auf die großen Erzählstücke, die aufwändig recherchierten, glänzend geschriebenen Geschichten. Hier gibt es keinerlei formale oder inhaltliche Einschränkung – außer der, das der Text in Zeitungen oder Magazinen erschienen sein muss, nicht in Büchern oder auf Web-Seiten erstveröffentlicht wurde.
Die Kategorie „Lokalreportage“ hat kleine, schnell geschriebene Geschichten im Visier, Ortstermine, aktuelle Reportagen. Sie sollen nicht länger als 8000 Zeichen sein. Online-Stücke werden in dieser Kategorie nicht berücksichtigt.
Die Kategorie „Web-Reportage“ meint nicht nur Texte. Ebenso willkommen wären Multimedia-Stücke, Liveblogging-Geschichten oder Reportagen, die jemand via Twitter versendet hat – entscheidend ist die Veröffentlichung im Internet.
- Und welche neuen Kategorien wurden eingeführt? Und warum?
In den Feuilletons probieren Reporter sehr subjektive Reportageformen, in den politischen Teilen der Tageszeitungen und Magazine hat es die politische Reportage und das Portrait schwerer als in früheren Zeiten. Deshalb haben wir die Kategorien „Kulturreportage“ und „politische Reportage“ ausgeschrieben.
Viele Reporter experimentieren mit Essay-Formen und neuen Interview-Formen, auch das finden wir so spannend, dass wir das mit dem Preis "Bester Essay" und "Bestes Interview" anregen wollen.
Und wir wollen mit einem eigenen Preis berücksichtigen, dass immer mehr Reporter als Freie arbeiten; wir wollen besonders sie motivieren – trotz schwieriger Arbeitsbedingungen – Reportagen zu recherchieren und zu schreiben. Sie können sich mit ihren Texten für den Preis "Rasender Reporter" bewerben.
- Wie sollen Transparenz und Öffentlichkeit hergestellt werden beim Reporterpreis?
Zum einen, indem sich die 220 Teilnehmer des letzten Reporter-Workshops an der Jurierung beteiligen. Zum anderen, indem zwei Juroren über die Sitzung der Jury Reportagen schreiben sollen, die veröffentlicht werden. Das muss die Jury noch abschließend entscheiden.
- Wie beteiligen sich die 220 Kollegen an der Abstimmung?
Anfang November stellen wir die von den Vorjurys ausgewählten 20 Reportagen auf die Website. Dann haben die 220 bis zum 30. November Zeit, die Texte zu lesen und per Mail ihre Stimme abzugeben. Einer derjenigen, der für die „Gewinner“-Reportage gestimmt hat, wird zur Jury-Sitzung nach Berlin eingeladen, damit er die Stimme des Reporter-Forums dort vertritt.
- Die Print-Jury setzt sich aus vier Reportern und vier Publizisten zusammen. Warum?
Wir haben versucht, eine maximal unabhängige Jury mit maximal großem Sachverstand zusammen zu stellen. Der Jury gehören vier preisgekrönte Reporter an, die ihr Können immer wieder unter Beweis gestellt haben – wer könnte Reportagen besser beurteilen als sie? Hinzu kommen, voraussichtlich, eine Schriftstellerin, eine Verlegerin, ein Fernsehmoderator, ein Blattmacher. Auch sie sind Experten für gut erzählte, gut recherchierte Geschichten – wobei sie möglicherweise ganz andere Kriterien anlegen als die Reporter.
- Was sind die Kriterien, nach denen die Print-Jury die Reportagen beurteilt?
Irgendwer hat mal gesagt: „Reportagen sind nicht theoriefähig.“ Es gibt kein Muster für den perfekten Einstieg, die ideale Dramaturgie, die richtige Sprache. Was in einem Text funktioniert, kann im nächsten Text schief gehen. Weshalb es keinen Sinn macht, Kriterien festzulegen, nach denen Reportagen klassifiziert werden. Einziger Maßstab ist die Urteilskraft der Juroren. Ob sie den Nachrichtenwert, die Rechercheleistung der Texte höher gewichten oder die Erzählkunst und die sprachliche Schönheit – das bleibt allein ihnen überlassen.
Wer sind die Vorjuroren?
Das haben wir für 2010 noch nicht festgelegt. Im vergangenen Jahr waren es Jochen Arntz (Süddeutsche Zeitung), Jens Bergmann (brandeins), Jan Heidtmann (SZ-Magazin), Ingrid Kolb (Autorin), Nils Minkmar (FAZ), Wolfgang Prosinger (Tagesspiegel), Anja Reich (Berliner Zeitung), Stefanie Rosenkranz (stern), Thomas Schuler (Autor), Norbert Thomma (Tagesspiegel), Karin Weber-Duve (Brigitte), Johanna Wieland (GEO). Sie dürfen keine Texte bewerten, die von Kollegen aus Ihrer Redaktion oder Ihrem Verlag stammen.
- Warum gibt es eine eigene Online-Jury?
Die Print-Welt und die Online-Welt sind sehr unterschiedlich. Weshalb wir uns entschlossen haben, eine eigene Online-Jury zu berufen, die in diesem Bereich großen Sachverstand hat.
- Sind die beiden Hauptjurys in jedem Jahr gleich besetzt?
Nein, die Juroren werden vom Reporter-Forum in jedem Jahr neu berufen.
- In welchem Rahmen findet die Preisverleihung statt?
Es wird kein rauschendes Fest geben – der Preis wird in einem kleinen, feierlichen Rahmen übergeben, gleich nach der Jurysitzung, am Abend des 6. Dezember 2010 in Berlin. Anwesend sein sollen die für den Preis Nominierten, die Juroren und einige Vertreter des Reporter-Forums.