
Prämierte Texte |
Zweitausend Jahre Geschichte. Seit vierzig Jahren Bundeshauptstadt. Und immer noch Provinz. Auf allen Cocktails die gleiche Gesellschaft, bei jeder Party das gleiche Lied: Politiker, Diplomaten, Lobbyisten, Barone. Selbst Grüne tanzen im Seidenschal. Eine kleine große Welt. Krampfadern? Dietrich Rollmann lacht sich weg. Wer im Bonn nicht stehen kann, der kann einpacken, sagt der Mittelstands-Lobbyist und setzt sich. mehr... |
Prämierte Texte |
2. Preis - Christoph Scheuring: Die sich selbst ein Rätsel sind |
Die Fenster hatten keine Griffe, die Tür hatte keine Klinke, und die Lampe an der Decke war fugendicht in gelochtes Stahlblech eingelassen. Alle Wände waren mit Linoleum beklebt, und der Boden war es auch und nichts stand in dem Raum außer einem weißlackierten, gummibezogenen Eisenbett. Der Mann, der darin schlief, hatte braune Haut und schwarze Haare und trug einen zerrissenen Pullover. mehr... |
Rodeo ist dem Chilenen in die Seele geschrieben. In dem Volkssport kämpfen Hoffnung und Verzweiflung, Ohnmacht und Stolz. Das wilde Reiterspiel eint und trennt die Chilenen: Alle lieben sie die Freiheit, und als freie Caballeros wollen sie herrschen. Doch die Herrschaft teilt unten und oben. So ist der alljährliche Wettkampf in Rancagua - das Campeonato Nacional - auch ein Symbol der Militärmacht Pinochets. mehr... |
Worüber man nicht schweigen kann, davon muß man sprechen: Lise Lesèvre spricht von Barbie wie von einer Katastrophe, die sie verstümmelt, aber nicht umgebracht hat. Wenn sie sich an Barbie erinnert, und sie denkt jeden Tag an ihn, ist es, als hätte sie ihren eigenen Tod überlebt. mehr... |
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2. Preis - Johanna Romberg: Immer an der Emscher lang |
Manchmal zieht es sie übern Deich, raus aus ihrem steinernen Bett, in dem sie sich nicht winden und nicht schlängeln kann. Dann stößt sie einen Hauch aus, einen Seufzer von Duft, der die Böschung hinauf in die Gärten kriecht. Die Leute auf den Campingstühlen schneiden angewiderte Grimassen, die Kinder kichern und halten sich die Hände vors Gesicht. Ein Windstoß – und alles ist verflogen. mehr... |
Wie man's macht |
Der Filmheld Rambo tötet in neunzig Kinominuten 43 vietnamesische Soldaten. Der Lieutenant William Calley Jr. Ermordete in neunzig Minuten 102 vietnamesische Bauern. Warum gibt es über Calley noch keinen Film? mehr... |
Warum ein begabter Violinspieler auf eine bürgerliche Musikerlaufbahn verzichtet und lieber in Fußgängerzonen sein Publikum sucht. mehr... |
Eine Stadt, die im Takt von 600 täglichen Flugbewegungen atmet. Eine Technopolis, deren heimliche Herrscher allesamt am Computer-Tropf hängen. Eine Kunstwelt mit striktem Romantikverbot. Ein Aggregat für den Jet-Strom. Eine perfekte Inszenierung für flüchtiges Massenpublikum. mehr... |
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2. Preis - Herbert Riehl-Heyse: Das Playmate vom Hasenbergl |
Alles Wesentliche über Uschi, das aufregende Playmate, weiß der Kenner schon lange aus den Zeitungen, wenn auch die Auskünfte manchmal ein wenig verwirrend waren. Hat sie nun eigentlich die Maße 84-50-84 (die Bild im November 79 bekanntgab) oder doch 87-61-85 (Bild, Juli 80), oder sind es vielleicht die 82-58-82, die Michael Graeter Im August 1978 für die AZ herausgefunden hat? mehr... |
Schwelgen in ganz frischen Erinnerungen. Der Hausherr entkorkt mit gewandtem Griff eine Flasche Wein, und dann erzählen er und seine Frau. Beide haben die Gabe, farbig und eindringlich zu schildern, auf eine Weise, daß sofort ein plastisches Bild entsteht, und irgendwie ist es wohltuend, daß sie keine Photos über den Tisch zu schieben brauchen, um für den Gast begreifbar, nachempfindbar zu machen, warum dieser große Urlaub, eine Reise, wie man sie sich nicht oft im Leben leistet, wirklich so aufregend schön gewesen ist - derart voll von Eindrücken, Stimmungen, Erlebnissen, daß man noch lange davon zehren kann. mehr... |
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2. Preis - Hans Halter: Das Spenderherz darf nicht sterben |
Das neue Herz ist klein und eiseskalt, das alte groß und lebenswarm. Doch das alte Herz wäre bald stehengeblieben. Nun liegt es in der Abwurfschale, dunkel, schlaff und verbraucht. Das Eisherz tritt an seine Stelle, ein hohler Muskel, hell, straff, jugendfrisch. mehr... |
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Der Ausblick ist, wie man so sagt, unbezahlbar: für die meisten zumindest. Vom Dachgarten und Balkon einer luxuriösen Eigentumswohnung am Feenteich in Hamburg schweift der Bück über die Segelbetupfte Alster. Sekt wird zwischen Palmen und Marmorbüsten gereicht. Im strahlenden Licht der Maisonne leuchten die blaugelben Sonnenschirme der Liberalen so elegant, als entstammten sie einer Kreation von Jil Sander. mehr... |
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2. Preis - Hans Conrad Zander: Die Diebe von Köln |
Und dann bist du drin. Drin sein ist das höchste der Gefühle. „Wenn du drin bist", sagt der Kölner Einbrecher Bruno B., „dann is et jut." Es ist zwei Uhr nachts, Bruno*, 31, und sein Freund Marcel*, 22, sind in eine Kölner Gaststätte eingebrochen. Vom Hinterhof durchs Kellerfenster. Die letzten Augenblicke waren strapaziös. Das Kellerfenster war durch eine Querstange gesichert. mehr... |
Was machen die eigentlich mit mir? Sie erzeugen Schwingungen, die an mein Ohr dringen, die mein Trommelfell weiterleitet an Hammer, Amboß und Steigbügel. Der sorgt dafür, daß die Schwingungen sich auf das Gehörwasser übertragen, dessen feines Schwappen und Zittern sie endlich dem Gehörnerv als Sinnesreize übermittelt. Die Schläfenlappen in meinem Großhirn machen mir die Klangempfindung bewußt. Nun gut, das gleiche bewirken auch der Straßenlärm und das Telefon, zigmal am Tag. mehr... |
„Als Reporter müssen Sie hundertprozentig ins Geschehen gehen“, sagt der Journalist Rolf Kunkel. Für eine seiner letzten Sportreportagen, „Tod am vierten Hindernis“ über ein brutales Pferderennen im tschechischen Pardubitz, wurde er 1980 mit dem Kisch-Preis ausgezeichnet. mehr... |
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2. Preis - Volker Skierka: Irgendwann packt dich 'ne einzige Wut |
Opa Salzbrenner ist ein „Störfaktor". Der 83jährige Pensionär ist widerspenstig und steht dem wirtschaftlichen Aufschwung einer Wasserhahnfabrik im Weg. Als die Gewerbesiedlungsgesellschaft (GSG) den Abriß ihres noch gut erhaltenen Altbaus in der Adalbertstraße 6 im Berliner Sanierungsgebiet Kreuzberg plante, um dort einen großen Lkw-Ladehof für die Firma errichten zu lassen, da fühlte sich der alte Mann, der nun schon 35 Jahre in dem Haus lebt, in seiner Existenz bedroht. mehr... |
Am Rinderschlachtband, wo sich brüllende Tiere in handliche Fleischstücke verwandeln, wird eine Tätigkeit verrichtet, die auch Gefühle tötet. mehr... |
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2. Preis - Marie-Luise Scherer: Auf deutsch gesagt: gestrauchelt |
Sieberts haben einen Sohn, der ihnen Ehre macht, und einen, der für den Vater "auf deutsch gesagt: gestrauchelt ist". Als eine erträgliche Balance können Sieberts das nicht empfinden. Herr Siebert hat als Kabelverleger in Postschächten angefangen und wurde dann Beamter im Telegraphenamt. Sein durch diese Steigerung angehobenes Selbstgefübl und das Behagen an seinem Ältesten, der Medizin studiert, sind versickert in dem Kummer um Manfred. Manfred, der Manni genannt wird und in den Erzählungen seiner Mutter "mein Jenner" beißt, ist heroinsüchtig. mehr... |
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Auf einer Lichtung fixiert er die Buche, als sei die imstande, ihn gleich zu erschlagen. Die Fäuste in Höhe der Backenknochen, steht er geduckt in Erwartung des Angriffs. Der Brustkorb pumpt Luft, und die blassen Augäpfel beginnen zu schwimmen. Für den Bruchteil einer Sekunde entzerrt sich sein Gesicht zur Grimasse. Dann: Der Konter fast ohne Ansatz; zwei, drei Haken mit links. Und die Führungshand rührt bis sie zur Pose erstarrt. mehr... |
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2. Preis - Stefan Klein: Gelbe Lümmel vor düsterer Kulisse |
Sonntagabend. In der kleinen Bar des Hotels „Unia" in der polnischen Stadt Lublin stehen gut gelaunte Leute beieinander. Sie lachen und scherzen und werden nur einmal ganz unwirsch, als sich herausstellt, daß die Barfrau kein „piwo" (Bier) auf Lager hat. Aber die Damen und Herren wissen sich zu helfen und bestellen statt dessen „Gelbe Lümmel", wie sie das Gemisch aus Wodka und Orangensaft nennen. Ein zufällig dabeistehender Österreicher beobachtet die Gruppe interessiert und fragt: ..Seid's ihr Touristen?" Nach Lage der Dinge drängt sich diese Vermutung auf. Aber sie ist falsch. mehr... |
Drei Wochen lang begleitete Peter Sartorius Hochseefischer im Nordatlantik. Für seine Reportage "Blinde Kuh unterm Nordkap" erhielt er 1977 den ersten Kisch-Preis. Mit dem Reporter-Forum sprach er über seine Abenteuerlust, über die gelungene Dramaturgie einer Reportage und den ewigen Kampf mit der Schreibmaschine. mehr... |
Seit 1977 verleihen Gruner+Jahr und der stern den Egon Erwin Kisch-Preis. Seit 2005 firmiert der Kisch-Preis als Kategorie "Reportage" beim neu geschaffenen Henri-Nannen-Preis.
Auf dieser Seite finden Sie (fast) alle Reportagen, die mit dem Kisch-Preis bzw. dem Henri-Nannen-Preis, Kategorie Reportage, ausgezeichnet wurden.
2009: Beste Reportage
Die nominierten Texte
2009: Beste Dokumentation
Die nominierten Texte
2008: Beste Reportage
Die nominierten Texte
Bis 2004 wurden beim Egon-Erwin-Kisch-Preis auch zweite und dritte Preise vergeben. Wir haben die Texte der Zweitplatzierten seit dem Jahr 1995 versammelt. mehr...
Unser Special zum Henri-Nannen-Preis 2008: Die vornominierten, die nominierten und die prämierten Texte. mehr...