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Mit diesem Text gewann der Autor den Theodor-Wolff-Preis 2003
Tobias Schuhwerk
Diese Geschichte beginnt mit einer Märchenfee. Einer, die gewohnt ist, Kinderaugen zum Strahlen zu bringen. Am Schluss taucht die Märchenfee noch einmal auf. Sie wird einen Wunsch erfüllen. So wie Märchenfeen das immer tun. Immer. Nur nicht an diesem Nachmittag. Die Märchenfee heißt Marie Luise Kaiser und wohnt in Schwangau. An besagtem Nachmittag will die 49-jährige Autorin in ihrer "Märchenstube" ein Herbstfest feiern. Doch als ihre Gäste, acht Buben und Mädchen im Alter zwischen fünf und elf Jahren, den Raum betreten, herrscht Stimmung wie auf einer Beerdigung. Die Kinder sprechen über die Fernsehbilder, erzählen von den beiden Flugzeugen, die sich in die Türme bohrten, und von den Menschen, die aus den Fenstern sprangen. Sie sagen, dass sie auf jemand gewartet haben, der das alles stoppt. Auf King Kong und Supermann. Oder auf die Märchenfee. "Kannst Du nicht machen, dass das alles nicht passiert ist?", fragen sie. Marie Luise Kaiser zögert mit der Antwort. Was die Kinder gesehen haben, ist echt. Kein Märchen, das sie zu einem guten Ende führen kann. Genauso sagt sie es ihren Gästen. An diesem Nachmittag sprechen sie lange miteinander. Sie beschließen, Plüschtiere zu sammeln für die Waisenkinder der Terroranschläge in New York. Bevor die Schwangauer Buben und Mädchen nach Hause gehen, knoten sie schwarze Wolle an einen Ast, den sie vor die Haustür hängen. Jeder soll sehen, dass sie trauern. Das war vor einem Jahr.
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