|
Mit diesem Text gewann Marlo Gego den Theodor-Wolff-Preis 2007.
Gartenzwerge? Da muss Josefine Braun aber erst mal lachen. »Sie wollen also tatsächlich Gartenzwerge sehen?« Sie zieht einen am Ärmel, ein paar Parzellen weiter Richtung Vereinsheim auf eine weiße Mauer zu. »Hier können sie Gartenzwerge sehen«, sagt Frau Braun und lächelt gütig.
Hinter der weißen Mauer stehen fünf fast hüfthohe Zwerge. Schmutzig, vermodert, verwittert, in der hintersten Ecke der Parzelle. Zwischen Müll- und Regentonnen. Ihre Zipfelmützen müssten eigentlich rot sein und lustig aussehen, aber die Mützen dieser Zwerge sind, wenn sie überhaupt noch Farbe haben, eher rosé und sehen traurig aus. Sie stehen dicht beieinander, es scheint, sie wollten als kleine Schicksalsgemeinschaft gegen Vergessen und Verfall demonstrieren. Allerdings mit einem Lächeln. Alle Gartenzwerge lächeln, sie können überhaupt nicht anders. Das Lächeln ist ihnen ins Gesicht gemeißelt.
Josefine Braun lächelt auch, aber das hat jetzt eher mit Freundlichkeit zu tun. Sie kann sehr wohl anders. Braun, 66, ist Vorsitzende des Familiengartenvereins Roland, gegründet 1921. Roland wäre eine Gartenkolonie wie viele andere, wenn sie nicht durch ihre Lage zum Spielball von Politik und Kapital geworden wäre.
(...)
Zurück |
Kommentar hinzufügen