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„Ich möchte, dass die Wahrheit die wirkliche Wahrheit ist, so dass ich
sie nicht ändern kann�, Truman Capote wurde mit der Schilderung eines
Verbrechens zum Begründer und zum Star der Reportage in Romanform,
schreibt Hannes Ross. Doch die Arbeit an „Kaltblütig� war ein Albtraum
und am Ende wohnte Capote der Hinrichtung seiner beiden Protagonisten
sogar persönlich bei.
Truman Capote
von Hannes Ross
Auf der letzten Party seines Lebens steht er allein am Rand. Sein
Gesicht ist blass und konturlos. Das zu früh gealterte Gesicht eines
Trinkers. Seine wässrigen Augen suchen Blickkontakt zu den anderen
Gästen. Sie betteln um Aufmerksamkeit. Doch alles, was Truman Capote an
diesem Abend zu Ehren Liza Minellis im Dezember 1983 bekommt, sind
mitleidige Blicke. Niemand bleibt stehen, um ein paar Worte mit ihm zu
wechseln.
Man braucht viel Fantasie, um sich vorstellen zu
können, dass dieser Mann ein paar Jahre zuvor der scharfsinnigste
Schriftsteller, amüsanteste Partykönig und beste Reporter seiner
Generation war. Als Truman Capote 1984, kurz vor seinem sechzigsten
Geburtstag, an einer Überdosis Tabletten stirbt, ist er nur noch ein
Pflegefall.
Dass Truman Capote so ganz anders war als die
anderen, hatte sich früh gezeigt – zum Abscheu seiner Mutter. Lillie
Mae ist 18 Jahre alt, als sie ihren Sohn Truman Streckfus Persons zur
Welt bringt. Da ist Vater Arch, ein Scheckbetrüger, schon dabei, sich
aus dem Staub zu machen. (Den Namen Capote übernimmt er später vom
Stiefvater Joseph Garcia). Die Mutter schämt sich für ihren Sohn, der
so weich ist, fast mädchenhaft in seinem Äußeren, dazu sehr sensibel,
aber auch hysterisch. Immer wieder sperrt die Mutter ihren Sohn im
Hotelzimmer ein, während sie sich amüsieren geht. Er schreit und
hämmert gegen die Tür. "Irgendetwas ist da hängen geblieben", sagt
Capote später. "Seitdem habe ich furchtbare Angst, verlassen zu werden."
(...)
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