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Wie subjektiv ist eine gute Reportage wirklich? Und wird ihr Entstehen
wirklich so sehr von der individuellen Leistung eines Autors geprägt,
der auf sich allein gestellt ist? Der Journalismuswissenschaftler
Ulrich Pätzold sagt in seinem Aufsatz „Die Reportage als Beispiel der
Genreforschung in der Journalistik�: „Dem widerspreche ich entschieden.
Die journalistische Reportage gehört zu dem Journalismus, der sich um
höchst mögliche Objektivität bemüht. Das Genre entsteht zwar durch
kunstvolle Ausnutzung aller, auch individueller Erzähl- und
Stilmittel, ist aber geradezu vorbildliche Umsetzung von
Arbeitsanforderungen an Journalisten, die zu jenem Katalog gehören, der
für journalistische Objektivität bemüht wird.� Und auch, dass der
Reporter am besten ist, wenn er allein arbeitet, sei ein Mythos: „Ich
bin nämlich davon überzeugt, dass die journalistische Reportage
redaktionell verankert sein muss, dass Reporterpersönlichkeiten in
einem intensiven redaktionellen Kommunikationsprozess arbeiten.�
Ulrich Pätzold
Lücke in der Wissenschaft
Seit vielen Jahren veranstalte ich jeweils im Sommersemester
eine Übung zur Reportage. In diesen Übungen sind zahlreiche Arbeiten
entstanden, die ihren Weg in Zeitungen und in Zeitschriften gefunden
haben. In ihnen habe ich gelernt, dass wir auch in der Ausbildung mit
dem Stolz, manchmal auch mit der Eitelkeit der Autoren rechnen müssen,
ein berufliches Merkmal im Journalismus, dem wir keine
wissenschaftliche Aufmerksamkeit geschenkt haben. In den Übungen ging
es ursprünglich um die Umsetzung weniger beruflicher Regeln in der
Erstellung von Reportagen, um die Einübung von Genauigkeit in der
Beobachtung, um Ausdrucksfähigkeit und um die Beachtung
dramaturgischer Grundsätze und Erfahrungen. Im Laufe der Zeit wurde
allerdings deutlich, dass wir wenig Hilfe aus der Wissenschaft hatten.
Mit Michael Hallers Reportagebuch konnten wir leidlich arbeiten,
mussten aber konstatieren, dass er entweder in den Kategorien der
Literaturwissenschaften verharrte oder aber den journalistischen
Produktionsprozess, den wir Reportage nennen, nur unzureichend
beschrieben hat. Andere Handreichungen wie LaRoche oder das ABC des
Journalismus schadeten zwar nicht, bleiben aber in ihrer Trivialität
unterhalb jener Ebene, die zu Frage anregen könnte, warum eine
wissenschaftliche Beschäftigung mit der Reportage Sinn macht.
Diesen
Sinn sehe ich, sehr allgemein gesprochen, in der berufsbezogenen
Perspektive. Das bedeutet in unserem Fall, nicht jede Art der Reportage
zum Gegenstand der wissenschaftlichen Analyse zu machen, sondern
zunächst einschränkend zu fragen, was eine Reportage als
journalistische Produktion auszeichnet, was eine journalistische
Reportage ist, welche Funktion sie für Medienkonzepte hat.
(...)
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