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Antje Windmann gewann mit diesem Text den Reporterpreis 2009 in der Kategorie Lokalreportage. Für das „Hamburger Abendblatt“ hat Windmann eine 91-Jährige und deren Tochter besucht, eine dement gewordene Frau und ihre Tochter, die sie pflegt; wie viele Alte sitzt die Mutter im Zimmer ihres Pflegeheims in Hamburg und verbringt ihre Zeit am Fenster, während ihr Leben und ihr Alltag ihr immer fremder werden. Die Jury war begeistert von der ruhigen, unaufdringlichen Sprache dieser Reportage, die prägnant erzählt, wie eine Generation alt werden wird.
Sie hat das Zimmer im Hochparterre, ganz rechts. Nur die Hauswand aus rotem Back stein trennt sie vom Park.
Resi steht am Fenster, beobachtet die Menschen, die vor ihrem Pflegeheim entlangradeln, joggen, Kinderwagen schieben; so sieht es jedenfalls aus, wenn man sie von draußen sieht. Resi ist klein, zart und grauhaarig, gerade so kann sie über den Fensterrahmen hinwegschauen. Scheint die Sonne, hat sie die Augen geschlossen, ihr Schatten fällt dann in den Raum hinter ihr. Das Zimmer ist Resis Endstation.
Theresia Dolgner, für alle immer nur „Resi“, sitzt in ihrem hellbraunen Velours-Sessel. 91 Jahre ist sie alt. Sie trägt eine graue Stoffhose, einen hellblauen Strickpulli, ihre rechte Hand ruht auf dem Knauf ihres Stocks. Arthrose hat sich in ihre Gelenke geschlichen, sie verbogen. Resi kann kein Messer mehr halten, ein Glas nur mit Daumen und Zeigefinger. Die Bastelkurse im Heim finden ohne sie statt, singen mag sie nicht.
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