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Nur Erpresserbriefe werden freiwillig zu Ende gelesen. Sonst gilt: Wenn
der erste Satz einer Geschichte langweilig ist, hat der zweite beim
Leser schon verloren. Auch für guten Journalismus gilt das Gesetz der
20 Sekunden, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Der Journalistenlehrer Wolf
Schneider beschreibt für das Reporter-Forum, warum das so ist.
Wolf Schneider
Wer das Interesse von Lesern oder Hörern gewinnen will, muss es binnen 20 Sekunden gewonnen haben – oder er gewinnt es nie; außer, er hätte etwas Sensationelles zu sagen (aber wie oft hat er das schon?)
Das Gesetz der 20 Sekunden, in den letzten zwanzig Jahren mit verschiedenen Ansätzen wissenschaftlich ermittelt, deckt sich mit Sitten und Erfahrungen auf den unterschiedlichsten Feldern.
HÖREN
Radio-Erfahrung: Im Durchschnitt entscheidet sich binnen 17 Sekunden, ob Hörer sich einem Wortbeitrag zuwenden oder „abschalten“ (per Knopf oder durch Entzug der Aufmerksamkeit).
Fürs Handy: Die dafür zusammengestellten oder komponierten Klingeltöne sind maximal 20 Sekunden lang.
Für Castings und Vorstellungsgespräche lehren amerikanische coaches: Verkaufe dich binnen 20 Sekunden, oder du hast verloren.
In Hollywood hat ein bis dahin Unbekannter drei kurze Sätze lang Zeit, um einem Produzenten eine Film-Idee zu verkaufen. Die drei Sätze heißen Hog Line: die Zeile des gierigen Zugriffs, oder Elevator Pitch: die Selbstanpreisung im Fahrstuhl (von dem gleich mehr).
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