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Sie nennen sich „Küchenkreis“, aber es geht um mehr als Essen und
Plaudern. Seit einem Jahr treffen sich acht Journalisten von Brigitte,
Stern, Zeit und Geo, um nachzuholen, was im Redaktionsalltag manchmal
zu kurz kommt: Sich Austauschen und Ausprobieren – ohne
Konkurrenzdruck. Hauke Friederichs sprach für das Reporter-Forum mit
den Brigitte-Redakteurinnen Tinka Dippel und Silke Stuck; das
vollständige Interview und zwei weitere Texte über den Nutzen der
gemeinsamen Textarbeit können Sie rechts herunterladen.
Reporter-Forum: Reporter gelten als Einzelkämpfer. Warum der Küchenkreis?
Tinka
Dippel: Wahrscheinlich haben wir gemerkt, dass wir gar keine
Einzelkämpfer sind. Wir haben öfter über gute Einstiege gesprochen und
darüber, wie man Geschichten aufbauen sollte. Aber immer nur zwischen
Tür und Angel.
Silke Stuck: Und wir haben den Austausch auf
Augenhöhe mit Kollegen vermisst. Dass man offen eingestehen kann, an
einer Stelle nicht weiter zu kommen. Zum Ressortleiter kann man nicht
mit Stückwerk gehen und das einfach mal zeigen. Dass wir uns alle sehr
mögen, noch mehr durch unsere regelmäßigen Treffen, ist eine nette
Begleiterscheinung.
Ist in einem solch netten Klima überhaupt eine ehrliche Kritik möglich?
Stuck: Klar, wir kritisieren uns durchaus hart. Aber der Ton ist immer angenehm. Und wir vertrauen uns mittlerweile sehr.
Dippel:
Kritik in der Redaktion zu äußern ist heikel. Es gibt immer Kollegen,
die das persönlich nehmen. Die Gefahr besteht bei uns nicht. Wir müssen
uns keine Samthandschuhe anziehen. So eine Sache funktioniert nur, wenn
alle Kritik annehmen können.
Was läuft bei Textbesprechungen im Küchenkreis anders als in der Redaktion?
Dippel:
In der Redaktion greift bei solchen Diskussionen schnell der
Pragmatismus. Irgendwann fordern die Kollegen: mach den Text endlich
fertig. Also geht man den Weg des geringsten Widerstandes und schreibt
einen Text, den man sicher durch alle Instanzen bekommt. Dabei hat man
ja eigentlich den Anspruch, die Schreibe weiterzuentwickeln und mal
eine ganz neue Herangehensweise auszuprobieren.
(...)
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