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Dieser Text ist für den Reporterpreis 2009 nominiert.
Beate Lakotta
Fragt
man Eltern, welches ihrer beiden Kinder sie mehr lieben, so erhält
man gewöhnlich die Antwort: beide gleich. Auch bei Claudia und
Reinhard Senge ist das so, aber nicht von Anfang an. Für sie war es
ein weiter Weg bis dorthin.
Auch
heute noch, zwei Jahre nach der Geburt ihres jüngsten Sohnes, sind
sie der Meinung, sie hätten das Recht haben müssen, sich gegen
dieses Kind zu entscheiden, als sie von seiner Behinderung erfuhren.
"Der
Punkt war, dass wir uns von unserem Kind getrennt hätten, aber nicht
gedurft haben", sagt Reinhard Senge. "Wir haben das Kind
kriegen müssen, das wir nicht gewollt haben. Das ist nicht gegen den
Kleinen gerichtet. Wenn er heut so lacht, denk ich: a goldiger Kerl.
Aber für uns ist die Welt z'amm'broch'n: Familie, zwei Kinder,
Garten, die Zukunft, das ganze Leben, wie ein Kartenhaus."
In
der 34. Schwangerschaftswoche war Claudia Senge wegen Rückenschmerzen
zur Frauenärztin gegangen: schon die Wehen? Alle
Vorsorgeuntersuchungen waren gut verlaufen; doch nun sieht die Ärztin
im Ultraschall etwas anderes, es stimmt etwas nicht mit dem Gehirn
des Jungen. Eilig wird Frau Senge zu einem zweiten Arzt geschickt. Am
Ultraschallgerät sehen die Eltern Bilder ihres Ungeborenen über den
Bildschirm flimmern, ein Wunschkind. Es stimmt: Zwischen den
Hirnhälften des Fötus fehlt der "Balken", eine
Nervenstruktur, die rechte und linke Seite verbindet.
"Was
heißt denn das genau?", will Herr Senge wissen. Aber der Arzt
habe nur hilflos gelacht: Es könne alles bedeuten oder nichts.
Zu
Hause geben die Eltern die lateinischen Namen der Diagnosen aus dem
Arztbrief im Internet ein: "Ventrikulomegalie, Agenesie des
Corpus callosum, Dystrophie". Manche der betroffenen Kinder
können kaum kontrollierte Bewegungen machen, leiden unter
Krampfanfällen, andere sind blind, geistig behindert sowieso.
Sollen
sie dem Kind das antun? Und wird ihre Ehe das aushalten?
Claudia
Senge ist eine gewissenhafte Mutter, sie hat in der Schwangerschaft
alles richtig gemacht. Ihr erster Sohn ist gesund. Zwei Jahre nach
seiner Geburt hatte sie wieder gearbeitet, halbtags, für einen
Versicherungsmakler. Jetzt sieht sie sich Tag und Nacht nur noch
dieses Kind pflegen. Was soll dann aus Felix werden, ihrem Großen,
dessen richtigen Vornamen die Eltern bitten in dieser Geschichte
nicht zu nennen.
Reinhard
Senge ist 38, er hat einen Innenausstattungsbetrieb: Polster, Böden,
Vorhänge. Ein zupackender Typ, immer zuversichtlich. "Aber über
eins waren wir uns immer einig: Wenn was im Hirn nicht stimmt, dann
soll's nicht sein."
Die
Architektur der Universitäts-Frauenklinik in der Münchner Maistraße
ist verschnörkelt wie das Leben selbst. Im Innenhof ein
Labyrinthgärtchen, in den weißgetünchten Fluren altmodisch
handgemalte Hinweisschilder, gusseiserne Wanduhren, ein Hörsaal mit
steilen eichenen Sitzrängen. Nur die Technik ist hochmodern.
Franz
Kainer leitet die Geburtshilfesabteilung. Seit 25 Jahren stellt er
Diagnosen für Ungeborene und holt Babys auf die Welt. Aus ganz
Bayern kommen Problemfälle zu ihm. Auch Claudia Senge wird hier noch
einmal in den Kernspintomografen geschoben. Als Kainer den Senges die
Diagnose erklärt, sitzen eine Psychologin und ein Kinderarzt dabei.
Kainer müsste gar nichts mehr sagen, es reicht schon, wie sie alle
schauen. Theoretisch könne sich das Kind fast normal entwickeln.
Wahrscheinlich sei jedoch eine schwere Behinderung, körperlich und
geistig, einhergehend mit Krampfanfällen oder Verhaltensstörungen,
im schlimmsten Fall müsse es künstlich beatmet oder ernährt
werden. Ein Down-Syndrom - darunter können sich Senges etwas
vorstellen - wäre im Vergleich dazu eine harmlose Erkrankung.
Herr
Senge sieht es so: "Das Kind ist eine Zeitbombe. Kein Mensch
kann uns sagen, wie wir damit leben sollen."
Sie
sagen sofort, dass sie es nicht wollen. Was, wenn es wirklich beatmet
werden muss, nicht isst, nicht reagiert? Sie haben Angst, daran
kaputtzugehen. Claudia Senge will das Kind keinen Tag länger in sich
tragen. Die Ärzte sollen eine Abtreibung vornehmen, so, wie es nach
dem Gesetz möglich ist.
Dort
steht, dass eine Schwangerschaft noch bis kurz vor dem Geburtstermin
beendet werden kann, wenn "nach ärztlicher Erkenntnis" die
Gefahr besteht, dass die Frau durch die Geburt oder das Leben mit dem
behinderten Kind seelisch oder körperlich zerbrechen könnte, jetzt
oder in Zukunft. Aber welcher Arzt soll das vorhersagen können?
Anhand welcher Kriterien? Das steht nicht im Gesetz.
Für
die Senges steht die Gefahr außer Frage. Sie glauben, dass auch die
Ethikrunde unter Kainers Vorsitz, die über solche schwierigen
Lebensentscheidungen immer berät, dies kaum anders sehen könne.
Senges
spüren Mitgefühl, aber auch Reserviertheit. Franz Kainer gibt zu
bedenken, dass das Kind in der 35. Woche voll entwickelt ist. Schon
ab der 22. Woche können Föten außerhalb des Mutterleibs überleben.
Dies ist die Grenze, ab der man in der Medizin vom späten Abbruch
spricht. Um zu vermeiden, dass das Kind lebendig zur Welt kommt,
müsste Kainer dem Kind eine Kanüle ins Herz stechen und
Kaliumchlorid hineinspritzen, um es zu töten. Erst danach würde er
die Geburt einleiten.
Für
ihn, Kainer, ist jeder Fetozid eine kleine Katastrophe, er will das
nicht tun. Aber es läge in seinem Ermessen, rein juristisch wäre
das kein Problem.
Was
den Senges niemand sagt: Es steht längst fest, dass sich die
Ethikrunde gegen die Abtreibung entscheiden wird.
Nicht,
weil die Mediziner zur Überzeugung gelangt wären, dass die Familie
das Leben mit dem Kind schon schaffen werde. Oder weil kein Arzt
gegen sein Gewissen gezwungen werden kann, eine Abtreibung
durchzuführen. Sondern, weil nach einem ungeschriebenen Gesetz in
keinem bayerischen Krankenhaus ein Arzt ein Kind nach der 22. Woche
abtötet, wenn seine Behinderung mit dem Leben vereinbar ist -
Bundesgesetz hin oder her.
Doch
der Parcours aus Untersuchungen und Beratungen, der nun für die
Senges beginnt, erweckt den Anschein einer Entscheidungsmöglichkeit.
Wenn
Kainer sieht, dass die Not der Frauen sehr groß ist, schickt er sie
manchmal weiter, nach Hamburg, Bonn oder Berlin. Aber auch dort
lehnen die Kollegen immer öfter die späte Abtreibung ab, seit
Politiker aller Parteien öffentlich darüber stritten, was zu tun
sei, um möglichst viele dieser Eingriffe zu verhindern.
Senges
sind spät dran. Unwahrscheinlich, dass anderswo jemand den Eingriff
noch macht. Das Beste wäre, die Psychologin könnte sie umstimmen.
Ihr
Büro liegt unter dem Dach in einem düsteren Kuppelsaal. An einer
langen Tafel sitzen sie sich gegenüber. Die Senges verstehen das
Beratungsgespräch als eine Art Prüfung, "ob wir uns das gut
überlegt haben und nicht aus dem Schreck heraus reagieren". Die
beiden lassen keinen Zweifel daran, wie sehr sie das Kind ablehnen.
Die
Psychologin, eine Mittfünfzigerin, die ihren Beruf seit 15 Jahren
ausübt, hat selten Eltern erlebt, die dies so klar aussprechen. Sie
findet keinen Zugang. Senges haben von Anfang an den Eindruck, sie
sei gegen sie eingestellt. Frau Senge könnte vor ihr vielleicht noch
so tun, als sei sie kurz davor, irgendwo herunterzuspringen, um die
Entscheidung zu ihren Gunsten zu wenden. Aber ihr Mann hatte gesagt:
"Brauchst nicht lügen, dass du dich umbringst."
Die
Senges kämpfen längst auch um ihre Würde.
In
einer anderen Klinik sollen sie noch eine Zweitmeinung einholen.
"Behindert ist er schon", sagt dort der Arzt. "Aber
einen Abbruch machen wir nicht, und in der 35. Woche brauchen Sie
auch nirgendwo anders mehr hinzugehen."
"Gesunde
Kinder darf man abtreiben, aber uns zwingt man, mit einem behinderten
zu leben?" - Claudia Senge versteht nicht, wo da die
Gerechtigkeit bleibt. Am folgenden Tag gehen sie zu einer Anwältin.
Dort erfahren sie: Es gibt kein einklagbares Recht auf eine
Abtreibung.
In
der Ethikgruppe sitzt neben Franz Kainer und der Psychologin der
Kinderarzt, als Anwalt des ungeborenen Kindes. Auch eine
Stationsschwester ist dabei und eine Hebamme. Man habe Verständnis
für ihre Not, eröffnet Kainer den Senges, aber die Prognose des
Kindes sei ja ungewiss. Das Kind habe nach Auffassung der Runde
bereits ein eigenes Recht zu leben, darüber hätten die Eltern nicht
zu entscheiden. "Sie müssen es ja nicht behalten. Sie können
es zur Adoption freigeben."
"Es
ging denen nur um die Ethik und um das Kind", sagt Claudia
Senge. "Wir waren denen egal."
Sie
gehen zur Adoptionsstelle. Auf dem Amt ist man entgeistert:
Hochschwanger und das Kind nicht wollen? Schon für ein Kind mit
Down-Syndrom finden sich extrem selten neue Eltern. Aber für ein
Kind, wie die Senges es erwarten? Nicht mal mit einer Pflegefamilie
könne man bei schweren Behinderungen dauerhaft rechnen, bestenfalls
mit einer Übergangspflege. Danach bliebe nur ein Heim. Ein
Sachbearbeiter auf dem Sozialamt rät: Machen Sie doch eine anonyme
Geburt.
"Bitt
schön, was?", ruft Herr Senge. "Wir haben Berge von
Unterlagen. Das ist doch kein anonymes Kind mehr!" Sie wollen
sich auch nicht aus ihrer Verantwortung stehlen oder etwas Unrechtes
tun, das passt nicht zu ihnen. Schließlich wollten sie das Kind ja,
bis zur Diagnose. Aber was, wenn es sonst auch niemand haben will?
In
der Klinik entfährt es Herrn Senge einmal, wenn man sie partout zu
diesem Kind zwingen wolle, könne es vielleicht mal vom Tisch fallen.
"Nicht, dass ich's gemacht hätte. Es waren Gedanken aus der
Hilflosigkeit."
Ein
Arzt wirbt noch einmal um Verständnis für die Entscheidung: Es
hänge mit dem Dritten Reich zusammen, dass man in Deutschland nicht
so leicht ungeborenes Leben beende. "Was haben wir denn mit dem
Dritten Reich zu tun?", entgegnet Herr Senge.
Jeden
Tag muss seine Frau zum Ultraschall in die Klinik. Die
Gehirnventrikel des Kindes werden kontrolliert, es soll keinen
weiteren Schaden nehmen, es soll möglichst lange im Bauch der Mutter
bleiben. Aber Frau Senge hält es nicht mehr aus. Das sagt sie auch,
bei einer Untersuchung. "Wir sind hier nicht in China",
fährt die Ärztin sie da an, wo man Kinder abtreibe, nur weil sie
das falsche Geschlecht haben.
In
der 37. Woche kommt das Kind zur Welt, mit einem Kaiserschnitt. Sie
schauen es nicht an. Eine Schwester nimmt es gleich und bringt es
weg.
Claudia
Senge hatte nicht bei den anderen Müttern liegen wollen. Ihre
Zimmergenossin ist eine alte Frau. Ab und zu kommt jemand, um Frau
Senges Blutdruck zu messen und ihren Bauch anzuschauen. Ein Gespräch
sucht niemand mehr.
Das
Kind liegt zwei Treppen weiter unten im Brutkasten. Wie soll sie
jemals darüber hinwegkommen, wenn sie es weggibt? Sie stellt sich
das Kind vor, wie es in einem Heim herumliegt, und keiner kümmert
sich.
Nach
zwei Tagen hält Reinhard Senge es nicht mehr aus. Er geht
nachschauen. Das Kind, das noch keinen Namen hat und ihm auf der
Kinderintensivstation als seines vorgestellt wird, atmet ohne Hilfe.
Es trinkt aus der Flasche, es schläft.
Es
sieht genauso aus wie sein erster Sohn, findet Herr Senge.
Die
Klinik hat bereits eine Übergangs-Pflegemutter organisiert. Die soll
kommen, bittet er, "damit ein bisserl körperliche Nähe da ist
fürs Neugeborene".
"Auch
wenn wir ihn nicht zu uns holen, er ist trotzdem unser Kind",
sagt er zu seiner Frau. "Schau ihn dir wenigstens mal an."
Aber sie hat Angst, das Kind danach nicht mehr weggeben zu können.
Als
es in die Kinderklinik verlegt wird, braucht es einen Namen. Die
Eltern nennen es Ludwig, nach der Ludwig-Maximilians-Universität,
deretwegen es auf die Welt gekommen ist. In der Kinderklinik
recherchiert ein Arzt alles, was man über Balkenmangel-Kinder weiß.
Als Erster gibt er ihnen Hoffnung. Nach zehn Tagen steht Claudia
Senge am Bett ihres Sohnes. Sie schaut ihn kaum an, irgendwann hat
sie ihn zum ersten Mal im Arm. Es ist kein glücklicher Moment. Wenig
später nehmen sie Ludwig mit nach Hause. Ein Versuch.
Wer
die Familie Senge in ihrem weißen Reihenhaus am Rand von München
besucht, betritt ein kleines Idyll. Vor der Tür ein Geländewagen,
drinnen alles hell und freundlich, an der Wand Kinderfotos, der
Ludwig ist immer dabei, und immer lacht er.
Stolze
Eltern wollen ihre Freude mit der ganzen Welt teilen. Senges warten
mit der Geburtsanzeige ein halbes Jahr, bis sie sicher sind, dass sie
den Ludwig behalten. Neben seinem Bild steht auf der Karte ein
Ausspruch von Richard von Weizsäcker, sie haben ihn in einem
Prospekt der Kinderklinik gefunden: "Es gibt keine Norm für den
Menschen, es ist normal, verschieden zu sein." Sie verschicken
nicht viele Anzeigen.
Im
ersten Winter leben die beiden von einem Tag auf den anderen. Im
Wohnzimmer brennt der Adventskranz, es gibt Lebkuchen und Kaffee. Mal
nimmt er den Ludwig auf den Schoß, mal sie. Man sieht ihm die
Behinderung nicht an. Er hat ein freundliches Wesen, findet Herr
Senge. "Er macht sich super. Wenn er sich so weiterentwickelt,
dann wird er noch gesund."
Claudia
Senge schaut zweifelnd auf das schlafende Kind in ihrem Arm, die
ganze Zeit streichelt sie seine Hand. Ihr Mann überlegt, ob sie
schon etwas merken würden, wenn sie nichts gewusst hätten von
Ludwigs Behinderung. "Wir hätten uns auf die Geburt gefreut.
Sein Zimmer wäre hergerichtet gewesen, Liebe, Wärme, ein Nest. So
war nichts vorbereitet. Die ersten Monate waren wie ein Loch."
Die
Erinnerung daran regt Herrn Senge auf. Beim Erzählen trommelt er mit
den Fingern auf die Tischplatte. Zum Beispiel, wie sie anfangs
versucht hatten herauszufinden, ob der Ludwig sieht oder hört, ob
sein Gehirn überhaupt irgendwelche Signale verarbeiten kann und ob
sie jemals Kontakt zu ihm würden aufnehmen können. Manchmal
beobachten sie das Kind beinahe wie Forscher im Labor. Herr Senge
entfernt sich ein paar Schritte und klatscht in die Hände: "Da!
Wieder keine Reaktion." Zwar lächelt der Ludwig immerfort, aber
kann das nicht auch ein sinnloser mimischer Reflex sein?
Anderthalb
Jahre nach Ludwigs Geburt ist für Claudia Senge die Welt klein
geworden. Im Wohnzimmer steht eine blaue Sitzgruppe, von dort kann
man in den Garten schauen, der von einer hohen Hecke umgeben ist.
Dort hat sie große Kürbisse aufgereiht, ein Spielhaus steht darin,
eine Sandkiste, ein Plastiktrecker, der gehört Felix, dem älteren
Sohn. Ob der Kleine mal verstehen wird, was ein Trecker ist?
Herr
Senge macht sich Sorgen um seine Frau. Je mehr sie sich in ihrer
Wahrnehmung auf den Ludwig beschränkt, desto besser geht es ihr. Sie
sieht dann nur seine Fortschritte, das ist schön. Wenn sie Felix,
ihren Fünfjährigen, vom Kindergarten abholt, trifft sie andere
Mütter, die Kinder in Ludwigs Alter dabeihaben. Sie erträgt den
Anblick dieser gesunden Kinder nicht. Ihr Mann holt jetzt oft den
Felix ab. Nur mit ihm spricht sie darüber.
Sie
würde gern in eine Mutter-Kind-Gruppe gehen, aber außer ihr hat
dort niemand ein behindertes Kind.
Für
Felix war sie zwei Jahre zu Hause geblieben. Dann hatte sie wieder
gearbeitet. Aber an dieses andere Kind, so empfindet sie, wird sie
gekettet sein bis an ihr Lebensende. Und was soll aus dem Ludwig
werden, wenn sie mal nicht mehr sind? Muss sich dann sein Bruder
opfern?
Bald
werden die Leute auch fragen: "Läuft er denn schon?" -
"Redet er denn noch nicht?" Sie fürchtet sich jetzt schon
vor den mitleidigen Blicken. Und auch dem Felix wird dann vielleicht
sein Bruder peinlich sein: "Man schämt sich ja, auch wenn
keiner was dafür kann."
Vor
Jahren hatten sie im Italien-Urlaub am Strand Eltern gesehen,
grauhaarig, die ihren erwachsenen Sohn im Rollstuhl zum Wasser
schoben. Alle hatten hingestarrt. So sieht sie sich jetzt mit dem
Ludwig: umgeben von glotzenden Leuten. Vielleicht wird sogar mal
einer sagen: So ein Kind, das muss doch heute nicht sein. "Die
Leute sind eben auch unserer Meinung", sagt sie. "Man hätte
das verhindern können."
Fragt
man Franz Kainer zwei Jahre später nach der Familie Senge, macht der
Pränataldiagnostiker ein bekümmertes Gesicht. Kainer ist ein
schmaler, asketisch wirkender Mann. Er spricht leise, bisweilen wird
er sarkastisch.
"Vor
zehn Jahren haben die Politiker das Gesetz so geändert, dass man ein
behindertes Kind bis zum Geburtstermin abtöten kann. Würden wir das
ernst nehmen, hätten wir eine Menge Fetozide. Also tun wir einfach
so, als gäbe es das Gesetz nicht." Selbst die Politiker täten
so: Kainer hat mal einen sagen hören, er könne sich nicht
vorstellen, dass so was Schlimmes in seiner Umgebung gemacht würde.
Nun
hätten sie dort in Berlin ja gerade ein neues Gesetz gemacht.
Ursprünglich sollte es "Gesetz zur Vermeidung von
Spätabtreibungen" heißen. Am Ende stand darin, dass Ärzte
alle Frauen, die ein behindertes Kind erwarten, über
Lebensperspektiven mit dem Kind beraten müssen. Und dass mindestens
drei Tage zwischen der Diagnose und dem Abbruch liegen müssen.
"Deswegen
werden nicht mehr Frauen behinderte Kinder zur Welt bringen wollen",
sagt Kainer, "an unserer Realität geht das vorbei."
Beraten wird ohnehin immer, und gerade bei den späten Abbrüchen
dauert es selten weniger als drei Tage, bis alle Untersuchungen
beendet sind. Trotzdem entscheidet sich vor der 22. Woche nur ein
Bruchteil aller Frauen für das Kind. Danach gibt es für die Frauen
nichts mehr zu entscheiden - jedenfalls nicht in Bayern.
Nicht,
weil es für die Frauen das Beste wäre oder für die Kinder; es sind
auch Fehlbildungen darunter, die einen dramatischen Leidensweg für
das Kind bedeuten. Aber die Kollegen haben Angst, am Pranger zu
stehen. Das Ansehen der Klinik könnte Schaden nehmen, die Geldströme
der Staatsregierung könnten versiegen.
Kainer,
für den jeder Schwangerschaftsabbruch einer zu viel ist, kann gut
leben mit dieser Gemengelage: "Mich würde es ja treffen, wenn
wir entscheiden würden, auch diesen Frauen helfen zu wollen."
Aber eines ärgert ihn doch: In Regensburg oder Passau und anderswo
wollen die geschätzten Kollegen zwar an der vorgeburtlichen
Diagnostik verdienen. "Aber entdeckt man dort etwas nach der 12.
Woche, dann heißt es: Wir machen so was Schmutziges nicht, da müssen
Sie schon nach München." Dann bekommt er es aufgehalst, bis zur
22. Woche. "Danach bleiben nur die ganz bösen Kollegen in Bonn,
Hamburg oder Berlin." Oder, für diejenigen, die es bezahlen
können, die Flieger nach London oder Rotterdam.
"Da
sind wir nicht ehrlich", findet Kainer: "Wenn die
Gesellschaft der Frau diese Entscheidungsmöglichkeit geben will,
sollte sie nicht in ganz Deutschland herumreisen müssen, um jemanden
zu finden, der den Eingriff macht." Und: Bei 115 000
Abtreibungen von gesunden Kindern pro Jahr könne man schon fragen,
welchen Sinn es habe, ausgerechnet das Leben einiger hundert schwer
fehlgebildeter Ungeborener gegen den Willen ihrer Mütter zu
schützen.
Bislang
hat niemand versucht herauszufinden, was aus diesen Kindern wird. Die
Sozialarbeiterin der Klinik schätzt, dass jedes Jahr etwa vier
Frauen ihr Kind nicht annehmen. Es wurden auch schon behinderte
Kinder in Babyklappen gefunden.
"Vielleicht
sind diejenigen, die nicht gut damit zurechtkommen, sogar die größte
Gruppe", vermutet Kainer. "Aber man sieht sie nicht. Auch
weil die Behindertenverbände es nicht gern haben, wenn jemand sagt,
das Leben mit einem behinderten Kind stelle ein Problem dar."
Aber
wenn Eltern ihr Kind schon vorher so deutlich ablehnen? "Dann
hören wir lieber nicht so genau hin, wie wir vielleicht sollten",
sagt Kainer. "Weil wir wissen: Für den Abbruch gibt es sowieso
keine Zustimmung." Und es sei ja auch so: "Es passiert
einem nichts, wenn man es nicht macht. Irgendwann fahren die mit dem
Kind nach Hause, und wir sind das Problem los."
"Die
Senges", sagt Kainer, "die haben es so laut gesagt, dass
man es hören musste. Das war mutig."
Dann
eilt Kainer im weißen Kittel hinüber zum Kreißsaal, eine
schwierige Geburt steht bevor, ein Kind mit einem riesigen
Wasserkopf.
Anfang
dieses Jahres haben die Eltern Glück: Reinhard Senge findet einen
Platz für Ludwig in der "Integrativen Kinderkrippe Kleeblatt".
Die Krippe gehört zu einem großen Behindertenzentrum. Ludwig
bekommt hier Physio- und Ergotherapie. Es gibt auch eine Schule,
Werkstätten, betreutes Wohnen. Vielleicht könnte er sogar sein
Leben lang bleiben.
In
der Woche packt Frau Senge seither den Ludwig ins Auto und fährt mit
ihm durch die Stadt, wenn er nicht gerade krank ist. Irgendein
Infekt, ein unerklärliches Fieber, auch das kommt bei behinderten
Kindern häufiger vor. Die Krippe ist Claudia Senges Hoffnung. Sie
möchte wieder unter Menschen. Auch der Ludwig soll sehen, dass es
andere Menschen gibt.
Nur
der Bezirk Oberbayern muss noch seine Zustimmung geben. Drei
Stellungnahmen haben Ärzte und Heilpädagoginnen schon geschrieben:
Ludwig könne mit knapp zwei Jahren weder frei sitzen noch zeige er
Ansätze zum Sprechen: "Die Aufnahme in die integrative
Kinderkrippe ist daher dringend angeraten."
Zehn
Kinder, darunter drei behinderte, besuchen das "Kleeblatt".
Claudia Senge trägt den Ludwig hinauf in den ersten Stock, zum
Morgen-Stuhlkreis. Seit drei Monaten hat sie schon versucht, ihn an
die Krippe zu gewöhnen. Aber noch schreit er, sobald er die Mutter
aus den Augen verliert. Keiner braucht so lange zum Eingewöhnen wie
er.
"Am
Ende ist er gar nicht krippentauglich", sorgt sie sich gegenüber
ihrem Mann. Herr Senge sitzt am Tisch und trommelt mit den Fingern:
"Lass ihm halt seine Zeit, er wird's schon lernen." Und
wirklich: Am nächsten Morgen drückt sie der Heilpädagogin den
Ludwig in den Arm, und zum ersten Mal schreit er nicht, als sie
fortgeht.
Dann
kommt der Brief vom Bezirk Oberbayern. Die Sachbearbeiterin schreibt,
Ludwigs Behinderung habe "keine so gravierenden Auswirkungen auf
die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, dass eine besondere
Förderung in der Kindergrippe erforderlich wäre". Krippe mit
"g", steht dort, Antrag abgelehnt.
Frau
Senge bricht in Tränen aus, dann wird sie wütend. "Erst hat
uns der Staat gezwungen, ihn auf die Welt zu bringen, aber wenn es um
seine Förderung geht, ist keiner mehr zuständig."
Senges
holen sich Hilfe beim Anwalt. Nach einem halben Jahr lenkt das
Bezirksamt ein. Dann stellt sich heraus, dass ab 2011 schon alle
Integrationsplätze im Kleeblatt vergeben sind. Senges werden sich
einen anderen Kindergarten suchen müssen.
Als
Nächstes kommt ein Brief von der Krankenkasse. Die will Ludwigs
Ergo- und Physiotherapie nicht weiterbezahlen, 1500 Euro. Senges
sollen zum Sozialamt gehen.
Für
Heike Weigand, die freundliche Kinderneurologin im Haunerschen
Kinderspital, ist das nichts Neues. Ständig sind sie hier mit dem
Schreiben von Gutachten beschäftigt: damit ein Kind eine Beinschiene
bekommt, den richtigen Kindergartenplatz oder zwei Stunden
Extrapflege zu Hause, bevor die Mutter auch noch krank wird. Wie
Bittsteller würden die Eltern oft von einem Neinsager zum nächsten
geschickt.
Alle
sechs Monate kommen Senges mit Ludwig zur Untersuchung hierher. Bis
zum zweiten Geburtstag, hatte Heike Weigand ihnen beim vorigen Mal
erklärt, sei die grundlegende Reifung der Hirnstrukturen
abgeschlossen. Was Ludwig bis dahin nicht könne, werde immer
Förderbedarf brauchen. Vielleicht wird er es nie aufholen.
Die
letzten Male waren die Senges voller Hoffnung zu diesen Terminen
gegangen. Im Jahr zuvor hatten sie eine Stunde lang zugeschaut, wie
der Ludwig auf der roten Turnmatte herumkullerte. Senges fanden, dass
er schön auf dem Bauch lag und gut greifen konnte. "Vom Kopf
her reagiert er doch super, oder?", hatte Herr Senge gemeint.
Aber am Ende hatte Frau Weigand doch sagen müssen, dass es dem
Einjährigen offenkundig schwerfalle, Bewegungen zu planen - kein
rein körperliches Problem, sondern, leider, der Hinweis auf eine
schwere geistige Beeinträchtigung.
Die
Enttäuschung hatte im Raum gehangen wie ein Mantel aus Blei. Am
folgenden Tag hatte die ganze Familie krank im Bett gelegen. Wochen
hatten sie alle gebraucht, um sich wieder zu fangen.
Für
die Kinderneurologin sind solche Gespräche immer eine Gratwanderung:
Wie viel Klarheit brauchen Eltern, damit genügend ankommt? Und wie
viel halten sie aus? "Ich raube ihnen ja immer den Traum vom
gesunden Kind."
Heike
Weigand kennt viele Eltern, die das Leben mit dem behinderten Kind
meistern. Aber woran die einen wachsen, daran können die anderen
zugrunde gehen. Es sind Eltern darunter, die es auch mit einem
gesunden Kind schon schwer hätten, sehr junge zum Beispiel oder
drogensüchtige oder solche, die nicht gut Deutsch können. Andere
wohnen auf dem Land, wo der nächste Ergotherapeut meilenweit weg
ist.
Vielleicht
die Hälfte, schätzt Weigands Chef Florian Heinen, scheitert an
dieser Aufgabe. Nicht in den ersten Lebensjahren, solange die Kinder
noch klein und niedlich sind; ob ein krankes oder ein gesundes im
Kinderwagen liegt, kann man von außen oft noch nicht unterscheiden.
Aber spätestens zur Einschulung werde klar: Mein Kind wird nie einen
normalen Beruf haben, nie in der Welt herumreisen, nie ein
eigenständiges Leben führen.
Irgendwann
sind die Kinder auch nicht mehr süß. Manche verhalten sich extrem
aggressiv oder setzen sich in der Pubertät im Bus Wildfremden zum
Schmusen auf den Schoß. Am schlimmsten sei es jedoch, wenn Eltern
all ihre Liebe und Sorge in das Kind hineingössen wie in ein Gefäß,
aber es kommt nichts zurück. "Die Väter gehen stiften, die
Mütter werden psychisch krank, am Ende geht nichts mehr."
Mit
15 sind viele behinderte Kinder in einem Heim.
Manchmal
muss Heinen Kinder gemeinsam mit den Kollegen aus der Gerichtsmedizin
untersuchen. Zehnmal häufiger werden behinderte Kinder geschlagen,
gequält, ans Bett gebunden als gesunde, oft als Ausdruck von
Hilflosigkeit und Überforderung, "das unterschätzen wir".
Darf
man Eltern zwingen zum Leben mit dem behinderten Kind? Heinen, selbst
Vater dreier gesunder Kinder, hat damals mit seiner Frau alle
vorgeburtlichen Untersuchungen ausgeschöpft. Er sieht es so: "Wenn
die Gesellschaft ein Klima schafft, in dem die Medizin manchmal etwas
großspurig Entscheidungen gegen den Willen der Eltern trifft, müsste
sie auch die Verantwortung für das reale Leben dieser Kinder mit
übernehmen. Sie müsste alle Ressourcen, die Eltern brauchen,
fraglos und klaglos zur Verfügung stellen."
Bei
den Senges hat Heike Weigand das Gefühl, es könne ihnen trotz allem
glücken, den Ludwig großzuziehen. Weil sie nicht klein beigeben und
weil sie so fest zusammenhalten. Immer ist der Vater bei den
Untersuchungen dabei. Das kommt nicht so häufig vor.
Die
Untersuchung, die den Senges mehr Aufschluss über ihr zukünftiges
Leben geben soll, fällt auf den zweiten Geburtstag des Kindes.
Claudia Senge setzt den Ludwig auf die rote Turnmatte. Nachdenklich
schaut sie ihn an. Hoffentlich macht er es gut.
Die
Ärztin fragt: "Wie schätzen Sie ihn denn ein?"
Die
beiden denken nach: "Vielleicht wie ein neun Monate altes Kind?"
Er
kann sitzen, wenn man ihn hinsetzt, und sich im Stehen festhalten.
Aber er macht nichts nach, was man ihm vormacht. "Grüß Gott",
sagt Herr Senge, um seine Beobachtung zu demonstrieren, und streckt
dem Ludwig immer wieder die Hand hin. Aber der Ludwig streckt seine
Hand nicht aus, nie macht er das.
Die
Ärztin stellt ihm eine Kiste mit Spielzeug hin. Der Ludwig nimmt
einen Bären heraus und wirft ihn fort. Dann einen Ring, einen
"Sesamstraße"-Ernie, ein Auto, ein Klötzchen.
Ein
zweijähriges Kind beschäftigt sich gewöhnlich länger mit einem
Spielzeug, es würde mit dem Auto hin und her fahren und
"Brrmmmbrrmmm" machen. Selbst ein Kind mit Down-Syndrom
wäre körperlich fitter und hätte schon Wörter. <<Der Ludwig
lacht nur oder schreit. Manchmal macht er mit seinen Jähzornanfällen
alle ganz irre, und man kann ihn nicht mal fragen, warum er schreit.
"Ob
er mit 30 Jahren immer noch Kisten ausräumen wird?", will Herr
Senge wissen. "Ich mein, er wird sicher nicht auf die normale
Schul' gehen können. Aber vielleicht, dass er wenigstens laufen
könnt?"
Frau
Weigand nickt. "Vielleicht erst mal mit einem Rollator."
Laufen!
Herr Senge strahlt, er schwenkt den Ludwig in der Luft, er pfeift und
gurrt: Gell, du Wilder!
Und
ob man ihm dann wohl auch klarmachen könne, was ein Nein bedeutet?
Hoffen
könne man wohl darauf, meint die Ärztin. Auch wenn seine geistige
Behinderung so deutlich erkennbar sei. Vielleicht werde er später in
einer Wohngruppe leben können, eine Ausbildung bekommen, irgendetwas
sehr Einfaches, in einer beschützenden Werkstätte. Aber er werde
sicher kein selbständiges Leben führen können.
Herr
Senge fasst es so zusammen: "Es ist nicht so, wie es vor seiner
Geburt geheißen hat: dass er gar nix können wird. Er ist
aufmerksam. Er gibt sich Mühe. Er macht Fortschritte. Der Weg ist
positiv, wenn man sieht, wo wir vor zwei Jahren gestartet sind."
Nach
der Untersuchung gehen die Senges noch einen Kaffee trinken. Vater,
Mutter, Kind sitzen in der Sonne vor der Pizzeria.
Bald
wird ein Rollstuhl das Bild von der glücklichen Familie trüben,
auch das Haus mit seinen Treppen werden sie wohl nicht behalten
können. "Aber die Angst ist weniger geworden", sagt Herr
Senge. "Wir hatten Glück, weil er hören und sehen kann, der
Ludwig, und uns sogar erkennt. Es hätt viel schlimmer kommen können,
dann säßen wir jetzt nicht hier."
Der
Ludwig auf seinem Schoß hat eine Zeitung zum Blättern bekommen.
"Und wenn er später mal net drei und drei z'amm'zähl'n kann,
wird die Welt net untergehn deshalb", ruft Herr Senge. "Jetzt
blättert er jede Seit'n mit Feing'fühl um - dafür, dass er die
Fehlbildung hat, is' des net schlecht."
Das
schöne Wetter, fast könnte man schwimmen gehen, der Ludwig mag ja
das Wasser, aber heute wollen sie noch Geburtstag feiern, mit beiden
Kindern. "Vom Felix", findet Frau Senge, "da können
wir uns noch was abschauen. Der nimmt den Ludwig, wie er ist."
Am Nachmittag wird der Ludwig auf seinem Stühlchen am Tisch sitzen,
ohne Stütze. Er wird eine Krone aus Papier tragen. Und er wird
lachen.
"Eaaheaah",
macht der Ludwig jetzt gut gelaunt und greift nach Herrn Senges Nase.
"Er gehört halt doch irgendwo zu uns", sagt der. Und wer
weiß: "Wenn der Ludwig mal geistig so fit sein sollte, dass er
danach fragt, werd ich es ihm sagen. Dass mir'n abtreiben hätten
lassen. Das ist damals so gewesen, da steh ich auch dazu. Und dass
wir heut froh sind, dass er dasitzt und wir ihn ganz gern haben."
Und
wenn sie noch mal entscheiden könnten, mit dem Wissen, wie der
Ludwig heute ist?
Claudia
Senge füttert den Ludwig mit Milchschaum aus ihrem Kaffeeglas. Sie
könne heute wirklich nicht mehr sagen, welches Kind sie lieber habe:
"Beides ist Liebe, aber verschieden. Beim Ludwig ist mehr Sorge
dabei. Trotzdem würden wir uns immer wieder gegen das Kind
entscheiden, wenn wir könnten."
"Dann
wär der Ludwig jetzt nicht da. Es würde immer was fehlen",
überlegt Herr Senge. "Das wär schon genug Leid. Aber das Kind
wär eingeschlafen von der Spritze, davon hätt er wahrscheinlich
wenig gemerkt. Es wäre doch eine Erleichterung gewesen."
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