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Juli Zeh, Patrick Leigh Fermor und, klar, Bruce Chatwin haben Franziska Richter bei Ihrer halb-literarischen Magisterarbeit über die Pampa inspiriert. Bitte laden Sie sich einen Auszug daraus rechts herunter.
Franziska Richter
Als sie mir zum ersten Mal begegnete, befand ich mich auf einer Zugfahrt in Deutschland an einem tristen, regnerischen Nachmittag. Ich sah aus dem Fenster, an dem die Tropfen durch den Fahrtwind schräg dem unteren Scheibenrand zuliefen. Dahinter durchzogen Linien das Land, Straßen, Wege, die Äcker umformten, Häuser, Zäune, die Grundstücke voneinander abgrenzten, zuweilen standen Rehe auf den braunen Feldern. Eine Wildnis, ein Zivilisationsfernes, schien nicht vorhanden und keine einzige Minute verging, ohne daß außerhalb des Fensters nur ein einziges Mal ein unbebautes, unbeackertes, unbezäuntes Stück Landschaft zu sehen war. Jene Dichtbesiedelung eines Landes mir ins Bewußtsein rufend, löste eine Frage aus, wo es denn noch einen Flecken geben könne, ein einziges Stück Erde, das sich dem menschlichen Einfluß noch entzog, wo man von etwas sprechen könne, daß einem Verlorensein gleicht, dem Verlust der Orientierung, der meilenweiten Einsamkeit fern allen menschlichen Daseins.
Mit einem Mal stand der Begriff der Pampa vor mir, das Wort, dem wir in der deutschen Sprache genau dies zum Vorwurf machen. Wieso spricht man immer davon, daß sich jener Club in der Pampa befinde, und meint damit den Dorfrand von Dingskirchen? Oder davon, daß man mit dem Auto irgendwo in der Pampa steckengeblieben sei oder sich verfahren habe, und meint eine Landstraße da und dort zwischen Buxtehude und Posemuckel?
Und das in einem Land, in dem nichts wirklich weit voneinander entfernt ist, einem Land, das bei einer durchschnittlichen Bevölkerung von 231 Einwohnern auf einem Quadratkilometer als eines der meistbesiedelten Länder Europas gilt? Ist das, was wir unter Pampa verstehen, nicht nur eine der Floskeln, über dessen Bedeutung sich niemand wirklich bewußt ist, wie so viele Worte in die Umgangssprache eingesunken sind und dort in einem Sumpf der Vernachlässigung und Demütigung herumdümpeln? Wo läge denn überhaupt dessen Ursprung? Wo liegt die Pampa und was ist sie? Ist sie vielleicht eine uralte Sehnsucht der Stille, ein Utopiegedanke, der an den Grundfesten jedes menschlichen Daseins rührt?
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