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Dieser Text war für den Henri-Nannen-Preis 2005 nominiert.
Wer im Winter aus Qaanaaq wegwill, hat die Wahl zwischen zwei Maschinen: der Dash 7 von Air Greenland, die vom kleinen Flugfeld im Westen des Dorfs zweimal pro Woche Richtung Süden startet, und dem Atlas-Copco-Presslufthammer der Gemeindeverwaltung, mit dem auf dem Friedhof im Osten des Dorfs die Gräber aus dem Boden gemeisselt werden.
Die zum Sterben zu junge Frau, die heute zu Grabe getragen wird, hatte vor Jahren die erste Wahl getroffen. Sie lebte in Dänemark, wo sie nicht glücklich wurde.
Der Trauerzug besteht aus vier Geländeautos und einem Lieferwagen, die durch die weisspatinierte Mondlandschaft in Richtung Friedhof schleichen. Zuvorderst ein roter Toyota Landcruiser mit dem Sarg auf der Ladefläche. In Armlänge Abstand ein schlaksiger junger Mann, der ein weisses Kreuz trägt, hinter ihm die Mutter der Verstorbenen in den beinhohen weissen Robbenfellschuhen, die sie wohl auch schon an ihrer Konfirmation, der Hochzeit und an runden Geburtstagen getragen hat. Dann zwei Dutzend Verwandte und Freunde in wattiertem Stoff, dreilagigem Goretex oder Fell. Am Schluss die anderen Wagen, alle ohne Kennzeichen. Offiziell gibt es hier keine Strassen, und deshalb kann es für die Versicherung auch keine Autos geben. Verkehrsprobleme gehören zu den wenigen Problemen, die dieses Dorf nicht kennt.
Die Prozession begann bei der schlichten Holzkirche unter dem Geheul der 800 Schlittenhunde im Dorf, die sich bei Glockengeläut immer daran erinnern, dass sie vom Wolf abstammen. Sie zog am nördlichsten Spital der Welt vorbei, am nördlichsten Schulinternat und bog beim nördlichsten Altersheim der Welt in das kleine Strässchen zum Friedhof ab, der etwa einen Kilometer ausserhalb liegt. Die Leute haben kaum Spuren auf der dünnen Schneedecke hinterlassen. So weit nördlich ist es im Winter selbst dem Schnee zu kalt.
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