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Dieser Text wurde mit dem Theodor-Wolff-Preis 2009 ausgezeichnet.
Thomas Scheen
Die Frage, ob man schon einmal auf einem Flugzeugträger gelandet sei, hätte skeptisch machen müssen. Das hatte Aleksandr wissen wollen, als er die zweimotorige Let 410 in den Himmel über Goma schraubte und Kurs auf Walikale nahm. In seinem zungenschweren Englisch hatte er etwas von "kontrolliertem Absturz" gemurmelt. Und dabei herzhaft gelacht.
Dreißig Minuten später, im Anflug auf Walikale, scheint dem Spaßvogel das Lachen allerdings vergangen zu sein. Denn die Let bockt in den Turbulenzen wie ein störrischer Esel. Mal sackt sie nach unten durch, dann wieder wird sie nach rechts gedrückt. Und immer wenn der schweißgebadete Aleksandr das Flugzeug auf Kurs zurückgebracht hat, trifft die nächste Bö und das Spiel mit Seitenruder, Steuerknüppel und Schubkraft beginnt von neuem, bis in der Cockpitscheibe ein Stück Asphalt aus dem immergrünen Urwald auftaucht: die Hauptstraße von Walikale, die gleichzeitig die Landebahn ist; 300 Meter lang, mit zahlreichen Schlaglöchern übersät und zudaem nicht vollständig einzusehen, weil sie eine Kurve beschreibt.
Walikale, das ist Synonym für alles, was schiefgeht in Kongo. Walikale ist die Welthauptstadt der Koltan- und Kasserit-Förderung, jener beiden sündhaft teuren Erze, die vor allem in Handys und Computer-Spielkonsolen Verwendung findet. Zehntausend Menschen graben in den Hügeln rund um den ostkongolesischen Weiler nach dem Erz. Walikale, das ist die kongolesische Variante des Clondike mit all seinen Nebenerscheinungen: dem Faustrecht, dem bewaffneten Gesindel und verwegenen Gestalten wie Aleksandr, dem Piloten aus Sewastopol am Schwarzen Meer.
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