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Dieser Text wurde von der Vorjury für den Henri-Nannen-Preis 2009 in der Kategorie Dokumentation vorgeschlagen.
Am ersten Morgen in der Neuen Welt krabbeln Ameisen aus meinem Laptop, schwarz und winzig genug, hinter einer Stecknadelspitze Platz zu finden. Erst ein paar, dann Hunderte, direkt aus den Tiefen der Tastatur. Vielleicht fressen die Biester hier inzwischen Bauteile von Prozessoren.
Neue Nahrungsquelle, neue Nische, neue Chance - vor allem darum dreht sich dieser brodelnde Kosmos namens Brasilien. Unmittelbarer Schaden nicht feststellbar.
Der Text von Darwins Tagebuch erscheint so auf dem Monitor, wie ich ihn am Vorabend zurückgelassen habe. Der Verstand ist ein Chaos des Entzückens, notiert er am Tag nach der Ankunft in Bahia, dem heutigen Salvador, aus dem eine Welt kommender, ruhigerer Genüsse hervorgehen wird.* Zwei Monate erst, seit der 22-jährige Darwin auf dem Vermessungsschiff »HMS Beagle« von England zu seiner fünfjährigen Weltumrundung aufgebrochen ist, die als bedeutendste Forschungsexpedition in die Wissenschaftsgeschichte eingeht. Nach seiner Rückkehr wird sich der junge Naturforscher auf eine zweite, geistige Reise begeben, die ihn nach wiederum 22 Jahren auf einen Gipfel abendländischen Denkens führt: Ende 1859 veröffentlicht er sein Hauptwerk, "Die Entstehung der Arten", in dem er seine bis heute gültige Evolutionstheorie vorstellt.
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