|
"Herr Hronowski und ich", ist - wie der Titel schon verrät - eine "Ich-Geschichte", eine sehr persönliche Erzählung, die von der Freundschaft der deutschen Schülerin Katarina mit dem polnischen Auschwitz-Überlebenden Jurek handelt. Katarina Bader schreibt in leisen und klaren Worten nicht nur eine Liebeserklärung an ihren toten Freund, sondern erzählt vom Erwachsenwerden, von Nähe und Distanz der Generationen, von Schuld und Versöhnung und vom Weiterleben nach dem Holocaust.
Anita Blasberg
Er war polnischer Patriot und großer Schinkenkenner. Er überlebte vier Jahre Auschwitz – vor einem Jahr ist mein Freund Jurek gestorben. Eine Erinnerung
Jedes Jahr am 27. Januar feierte Jurek Hronowski
die Befreiung von Auschwitz und gedachte der Opfer des Lagers. Das
waren für ihn nicht „Millionen von Menschen“, sondern Edek und Feliks –
Mithäftlinge. Im vergangenen Februar ist Jurek unter mysteriösen
Umständen gestorben. Die polnisch-deutsche Aussöhnung hat mit ihm einen
Fürsprecher verloren. Einen, der nicht berühmt war, der aber für viele
Menschen die Welt verändert hat. Für mich zum Beispiel.
Es gibt logische Freundschaften: Sie entstehen, weil man zusammen
studiert, Kinder im selben Alter hat oder einen Hund der gleichen
Rasse. Aber manchmal entstehen Freundschaften, die schwer zu erklären
sind. Die Freundschaft zwischen Jurek und mir war eine solche. Er war
60 Jahre älter als ich und Pole, seine Jugend hatten ihm die Deutschen
geraubt. Ich bin Deutsche, und als wir uns kennen lernten, steckte ich
in der geborgensten Jugend, die man sich vorstellen kann: in einem
schwäbischen Dorf, inmitten einer großen Familie.
Im Herbst 1998 nahm ich in der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz an
einem Seminar für Schülerzeitungs-Schreiber teil. Jurek Hronowski, ein
Überlebender des Lagers, beantwortete unsere Fragen. Ein Herr Ende 70,
klein, aufrecht und in jeder Bewegung entschieden und kraftvoll. Auf
seinen Arm hatten die Nazis Nummern tätowiert.
(...)
Zurück |
Kommentar hinzufügen