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Erzählen in Gegensatzpaaren - das ist ein einfacher dramaturgischer
Kniff, der eine beträchtliche Wirkung entfalten kann. Bitte finden Sie
hier einige Text-Beispiele aus dem Archiv dieser Website.
Reporter Forum
Was wären Faust ohne Mephistopheles, Luke Skywalker ohne Darth Vader,
Neo ohne Agent Smith? Sie wären nur halb so großartig. Helden brauchen
Widersacher, um zu glänzen. Kein Wunder, dass Drehbuchschreibern der
Antagonist, der Bösewicht, der Widersacher mindestens ebenso sehr am
Herzen wie der Protagonist, der Gute, der Held.
Nun müssen
Reporter in den allermeisten Fällen kleinere Brötchen backen und können
sich glücklich schätzen, wenn sie einen starken Protagonisten haben -
woher dann auch noch einen Antagonisten nehmen? Und tatsächlich müssen
viele Reportagen ohne ihn auskommen. Das ist auch der Hauptgrund, warum
Reporter von Drehbuchschreibern weniger lernen können als gemeinhin
angenommen.
Andererseits: Lohnt sich immer die Frage, ob es
einen Antagonisten gibt. Ob jemand den Gegenpart spielt - und ob es
Sinn macht, ihn zum Teil der Geschichte zu machen. Und diese so mit
Spannung aufzuladen - mit der Spannung zwischen Protagonist und
Antagonist.
Hier einige Beispiele für in Gegensatzpaaren erzählte Geschichten:
Stefan Willeke hat in der Zeit den Abbau einer Dortmunder Kokerei durch
einen chinesischen Bautrupp beschrieben - anhand von zwei
Gegenspielern. Hier der deutsche Stillstandsverwalter, dort der
chinesisiche Manager. Die beiden mögen sich nicht. Sie verstehen
einander nicht. "Unabsichtlich haben sie die Globalisierung auf ein
Kammerspiel reduziert." .
Cordt Schnibben hat einen Kischpreis gewonnen für eine Reportage über die Folgen des Vietnamkriegs:
Hier der amerikanische Kriegsverbrecher Calley, längst rehabilitiert,
dort die Überlebende des Massakers von My Lai, auf ewig traumatisiert.
Ein verstörender, krasser, erhellender Gegensatz quer über die
Kontinente hinweg.
Aber dieses Prinzip funktioniert nicht nur mit großen Stoffen, sondern auch in der Lokalreportage. Christoph Wöhrle hat in "Doktor Fastfood und Mister Dschihad"
zwei Berliner Imbissbuden porträtiert, um die Spannbreite deutscher
Migranten-Welten auszuloten: Hier "American Easyfood", betrieben von
einem amerikanophilen Türken, dort ein "orientalisches Cafe", in dem
langbärtige Israelhasser Verschwörungstheorien nachhängen. Die beiden
Orte haben eigentlich nichts miteinander zu tun, und jeder einzelne von
ihnen wäre uninteressant. Erst, indem er sie zusammenzwingt, weist
Wöhrle ihnen Bedeutung zu.
Ariel Hauptmeier
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