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Wie man Fakten sammelt - und sie zum Tanzen bringt: Stefan Willeke, vielfach preisgekrönter "Zeit"-Reporter, hat es in seinen Texten immer wieder vorgemacht. "Ich muss mir die Freiheit nehmen", schreibt er in diesem Beitrag für das Reporter-Forum, "hin und wieder mit den Flügeln zu schlagen und mich über die kleinlichen Fakten zu erheben. Ich schreibe dann einen ganzen Absatz, der höher hinaus will und zum Beispiel eine Beziehung herstellt zwischen einem norddeutschen Salatbauern und einem Streik der marokkanischen Feldarbeiter in Südspanien, meinetwegen auch eine heimliche Beziehung zwischen einem Lollo Rosso und der Revolution. Ich erhebe mich, und das dient dazu, den Text zu heben. Darin steckt auch die notorische Unbescheidenheit des Reporters, die wohltuende Vermessenheit, die Welt während eines kurzen Rundflugs erklären zu können. Aber ohne diese Spur Selbstüberschätzung geht es nicht, ohne theatralische Geste kann nichts tanzen."
Links zu pdf-Dokumenten der im Text diskutierten Reportagen finden Sie in der rechten Spalte ganz unten.
1. Abteilung: einige Grundsätzlichkeiten
Worin unterscheidet sich die Recherche für einen Report von der Recherche für eine Reportage?
Es kommt auf den Trichter an. Ich muss mich bei einer Reportage fragen, wie viel meines Recherchestoffs durch den Trichter passt, den ich vor dem Schreiben ansetze. Das bedeutet, dass ich mich nach dem erzählenswerten Kern meiner Geschichte frage: Worauf kommt es mir an? Was ist mein Fokus? Daraus wird der Hals des Trichters. Nachdem mein ganzes Material durch den Trichter geflossen ist, mischen sich die schweren Brocken, die Faktenteile, mit der Sauce, den szenischen Passagen.
Ich brauche für den Text zwar die bedeutungsschweren Brocken, ich brauche sie unbedingt, aber ich muss sie genießbar machen. Wenn sie zu dick sind, bleiben sie glücklicherweise im Trichter hängen.
In einer richtig guten Reportage sind die Übergänge zwischen Personen, Szenen, Fakten und größeren Zusammenhängen so fließend, dass der Leser den Übergang gar nicht mehr spürt. Der Leser verläuft sich, schaut sich verwundert um und genießt die überraschende Aussicht.
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