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Mit diesem Text gewann Thomas Hahn den Axel-Springer-Preis 2002.
München, im Dezember - Zum Schnee kann Dietmar Hemerka sagen, dass er ihm früher nie besonders wertvoll vorkam. Er kam ja jedes Jahr im November mit der Kälte, zuverlässig und reichlich. Er fiel vom Himmel auf den gefrorenen Boden, blieb dann meist bis weit ins nächste Jahr hinein liegen, und niemand machte sich Gedanken darüber, dass es anders sein könnte. Dietmar Hemerka war damals ein Innsbrucker Bub und konnte von der elterlichen Wohnung auf Schlittschuhen direkt zum Eishockeyplatz laufen oder von den Bergen um Innsbruck mit seinen Ski bis in die Innenstadt abfahren.
Aber dann verging die Zeit und der Schnee wurde weniger. Hemerka wurde Funktionär der Vierschanzentournee, Weitenmesser zunächst beim Bergiselspringen, der dritten Etappe, und er erlebte, wie die ersten Lastwagen den Schnee von den Bergen an die Schanze brachten. Der Himmel über Innsbruck schien müde geworden zu sein. Der Schnee musste anderswoher kommen. Am Brenner richteten die Organisatoren ein Depot ein. Auf einem Marktplatz, italienische Seite, an einem schneesicheren Ort in 1300 Meter Höhe. Dort sammelten sie den Schnee und ließen ihn ins Tal fahren. Bis er auch dort weniger wurde und sie außerdem feststellten, dass er versalzen war von den Streufahrzeugen und deshalb bei warmem Wetter schneller brüchig wurde als normaler Schnee. Und heute hat Hemerka, 60, und seit 13 Jahren Organisationschef des Bergiselspringens, Schneekanonen auf einem Fußballplatz im Schmirntal stehen. Auf 1200 Metern Höhe, und sobald es kalt wird, minus sechs Grad im besten Fall, lässt er sie anschalten und Schnee machen für 400 Lastwagenladungen. Kunstschnee. Es geht nicht anders. Sonst stirbt die Tournee. "In den letzten 15 Jahren hat es nie so viel geschneit, dass wir keinen Schnee hätten herholen müssen", sagt Hemerka. Er seufzt und schaut durch den Qualm seiner Zigarette ins Leere. "Das Wetter", sagt er, "hat sich doch etwas verändert."
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