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Mit diesem Text gewann der Autor den Axel-Springer-Preis 2000.
Mario Kaiser
Er kam am frühen Morgen mit der Fähre aus Brindisi, als der Nebel das Meer in weiße Laken hüllte. Der Anker der Europa I rasselte auf Grund, und die Heckklappe schlug mit einem Donner auf den Kai, wo seine Mutter im schwarzen Kleid stand und auf ihn wartete. Er rollte mit dem ersten Wagen die Rampe hinunter. Die Mutter stieg zu ihrem Sohn und stürzte sich auf seinen Sarg.
Wenn das bleiche Licht des neuen Tages auf Vlorë fällt, schwemmt das Meer die verlorenen Söhne der albanischen Küstenstadt an. Die einen Schutzengel und gut geschmierte Außenborder haben, schlitzen mit ihren Schnellbooten die See auf, entledigt des Treibguts, das auf ihrer Ladefläche kauerte, Tausende Dollars schwer. Die in der Hetzjagd übers schwarze Meer einen Fehler machen, rollen in Leichenwagen aus dem Bauch der Europa I.
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| Mario Kaiser
Mario Kaiser beschreibt in seinen Reportagen wirtschaftliche und soziale Transformationsprozesse. Er verbindet lange, tiefgründige Recherche mit mikroskopischer Analyse und erzählerischem Journalismus — und hofft, dass diese Herangehensweise das Verständnis für die Auswirkungen von Politik und gesellschaftlichem Wandel auf das Leben von Menschen schärft. Nach dem Zivildienst als Rettungssanitäter studierte er Regionalwissenschaften Nordamerika, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Bonn und absolvierte die Graduate School of Journalism der New York University. Er lebt in New York.
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erschienen in: ###ARTICLE_PUBLISHER###, am 09.09.1999
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