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Mit diesem Text gewann Sebastian Glubrecht den Theodor-Wolff-Preis 2007
Sebastian Glubrecht
1945 kam ich aus dem Krieg – gerade 18 Jahre alt, zu Fuß von Karlsbad über Prag. Alles war zerstört, überall Tod und Elend. Ein Onkel hatte zu mir gesagt: „Wenn du nach Bayern flüchtest, dann geh nach Miesbach.� Er gab mir einen Brief mit, an einen Freund, den er aus dem KZ kannte. „Der hilft dir weiter.� So kam ich nach Oberbayern. Dort habe ich mein Mädchen gefunden. Und dort habe ich sie verloren.
Nach dem Krieg war ich bei der GCU, der Graves Concentration Unit. Wir sollten in Deutschland gefallene Engländer einsammeln und sie anständig beerdigen. Den Soldatenfriedhof in Gmund habe ich selbst mit angelegt. Überall holten wir damals die Leichen: von Straßen, Feldern, aus Waldstücken und Zivilistenfriedhöfen. Wir haben die Körper in Militärdecken eingewickelt, um sie tragen zu können, und später wieder herausgerollt. Die Decken aus langhaariger, wärmender Wolle haben wir verkauft, für eine, manchmal zwei Stangen Zigaretten. Daraus konnte man Mäntel oder Kostüme schneidern.
Im Sommer 1946 erzählte mir Anna, die Geliebte meines Kumpels Friedrich, dass sich ein Mädel namens Margarete, die Gretel, für mich interessiere. „Mensch�, dachte ich, „das gibt es doch nicht.� Ich habe damals kaum auf die Frauen geschaut. „Die Gretel geht in die Tanzstunde�, sagte Anna. „Da musst du auch hingehen.� Das habe ich gemacht. So lernte ich mein Gretchen kennen.
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