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Mit diesem Text gewann Beate Lakotta den Hansel-Mieth-Preis 2003.
Die meisten Ärzte kapitulieren, wenn sie nicht mehr heilen können – zu Unrecht. Die Erfahrung in Hospizen wie dem Berliner Ricam beweist, dass sich das Leiden Todkranker immer besser lindern lässt. Schwerer ist es oft, die Seele des Sterbenden mit dem Tod zu versöhnen.
Der Koffer, mit dem Herr Müller seine letzte Reise antritt, ist nicht groß. Er enthält einen Bademantel, Gummipantoffeln und Waschzeug, eine gefaltete Luftaufnahme des Berliner Westhafens (Müllers Arbeitsplatz bis in die achtziger Jahre), ein gerahmtes Dackel-Porträt, einen kleinen Universum-Weltempfänger, etwas Freizeitkleidung. Müller ist zum Sterben hergekommen. Er rechnet nicht mit einem längeren Aufenthalt. “Nächste Woche werde ich 71. Aber dann bin ich wohl schon weg.�
Müllers Hautfarbe ist gelb, sein Krebs breitet sich in rasantem Tempo von der Bauchspeicheldrüse her aus. Immerhin, die Tumoren haben ihm genug Zeit gelassen, seine Angelegenheiten zu regeln. Zu Hause schrie er nachts vor Schmerzen, seine Frau holte dann den Notarzt, aber der wusste oft auch nicht weiter. Hier wird Müller Morphium bekommen, rechtzeitig und genügend. Es wird immer jemand da sein, wenn er Hilfe braucht oder Angst bekommt. In seiner letzten Stunde aber möchte Heinz Müller allein sein. “Damit muss man ja keinen belasten.â€? Zurück |
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