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Mit diesem Text gewann Hania Luczak den Hansel-Mieth-Preis 2007.
Hania Luczak
Momentaufnahmen aus einem ganz normalen deutschen Krankenhaus. Im Klinikum Friedrichshafen zeigt sich exemplarisch, was Mediziner auf die Barrikaden treibt – und weshalb es immer schwerer wird, ein »guter Arzt« zu sein
Ein Arzt ist tot, unerwartet gestorben, auf der Straße zusammengebrochen. Im Notarztwagen ins Krankenhaus, ins Klinikum Friedrichshafen, wo er selber als Oberarzt der Kinderabteilung sein halbes Leben lang Neugeborene in Brutkästen gelegt, Kleinkinder künstlich ernährt und Heranwachsenden nach schweren Unfällen eine zweite Chance gegeben hat. Dann lag er da, Intensivstation, Lungenembolie, ein Mann mittleren Alters, Vater zweier kleiner Kinder, es war ein Sonntagnachmittag.
Alles haben sie versucht. Doch sie konnten ihn nicht retten, seine Kollegen, manche davon seine Freunde, und jetzt stehen sie in der überfüllten Kapelle des Klinikums, im Gang drängen sich Mütter mit ihren Sprösslingen, Schwestern und Pfleger und die ärztlichen Kollegen, manche in Weiß, manche in Grün, in Blau, die Trauerfeier hat soeben begonnen. Fragen des Seelsorgers in die Stille, warum, wohin, Fragen ohne Antworten. Er hat Zeugnis abgelegt für das Gute in der Medizin, sagt der Prediger. Das weiche Schnaufen eines schlafenden Säuglings klingt wie eine Bestätigung.
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