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Dieser Text gehörte zu den vornominierten Texten für den Henri-Nannen-Preis 2008, Kategorie "Beste Reportage".
Mario Kaiser
Drei muslimische Männer wehrten sich gegen ihre Haft in Guantanamo. Am Ende brachten sie sich um - kurz bevor die Amerikaner einen von ihnen freilassen wollten. Die Rekonstruktion eines langsamen Sterbens im rechtsfreien Raum.
Er zieht an seiner Kette, langsam, behutsam, sie rasselt leise und spannt sich zu einem "V" zwischen seinen Fußgelenken und dem Metallring im Boden. Vielleicht ist es Zufall, vielleicht eine Pose, vielleicht formt er die Kette bewusst zu einem Zeichen des Sieges. Seine Augen verraten es nicht. Die Wahrheit ist schwer zu erkennen in diesem Raum, sie verschwimmt im Vielleicht.
Der Gefangene sitzt mit erhobenen Füßen auf einem weißen Plastikstuhl, es ist der einzige Gegenstand in diesem Raum, den er nicht in eine Waffe verwandeln kann.
In seinen Händen hält er das Manuskript seiner Verteidigung, er kann sie nicht bewegen, die Gelenke liegen in Handschellen. Eine Kette schnürt sich um seinen Bauch und fixiert seine Hände vor seinem Nabel, in einer Haltung der Demut. Er senkt den Kopf und blickt auf sein Manuskript, er bewegt die Lippen, als flüsterte er ein Gebet.
(...)
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