|
Dieser Text gehörte zu den vornominierten Texten für den Henri-Nannen-Preis 2008, Kategorie "Beste Reportage".
Birk Meinhardt
Sie geben sich sanft, familienfreundlich und behalten ihre Gesinnung erstmal für sich - die NPD setzt verstärkt auf artig auftretende Aktivistinnen
Berlin, im Juni - Nicole Florczak trug ein Schlüsselband mit dem Aufdruck "Kein Sex mit Nazis". Als Stella Palau es entdeckte, sagte sie, "das ist ja was ganz Lustiges". Aber bei sich dachte sie, "ach Mädel, wenn du nur wüsstest".
Das war im Familienzentrum von Hohen Neuendorf, an der Peripherie Berlins. Florczak betreut hier mit ihrer Kollegin Susanne Mosch jeden Vormittag Kleinkinder, und Palau war regelmäßig mit ihrer Tochter und ihrem Sohn dort. Sympathische Frau, meinten die beiden, die dem grünen Milieu nahestehen. Kauft wie sie im Bioladen. Schenkt Kaffee aus für andere Mütter. Eine Freundin im Grunde.
Beim Kaffeeausschenken hat ein Fotograf der Regionalzeitung Stella Palau abgelichtet, und nachdem das Bild erschienen war, fasste ein Redakteur der Zeitung, der etwas Ahnung von der rechtsextremen Szene hat, sich an den Kopf: Diese Mutter ist im Vorstand der NPD und ist Pressesprecherin des Rings Nationaler Frauen (RNF), der jener Partei nahesteht. Vater ihrer Kinder ist Jörg Hähnel, ein NPD-Aktivist und rechter Liedermacher. Der Redakteur lief ins Frauenzentrum und fragte Florczak und Mosch, ob sie davon wüssten. Großer Gott, nein. Woher denn. Sagen Sie, dass das nicht wahr ist.
(...)
Zurück |
Kommentar hinzufügen